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"Segne dich ER und bewahre dich,
lichte ER sein Antlitz dir zu und sei dir günstig,
hebe ER sein Antlitz dir zu und setze dir Frieden."
(4. Buch Mose, 6:24-26)


Die Tora ist die Hauptquelle jüdischen Rechts, jüdischer Ethik und Wegweiser für Denken und Lebenswandel sowie für Beziehungen zwischen Menschen und Gott und Mensch und Mensch. Regelmäßig und abschnittsweise wird im Laufe des Jahres an allen Sabbat- und Feiertagen, Montagen und Donnerstagen (da sie einst Markttage waren) aus der Tora gelesen.

Der Vorleser liest die Texte von einer handgeschriebenen Pergamentschriftrolle, die auf zwei Stäbe gewickelt ist ab, wobei sich beim Herausnehmen und beim Zurücklegen der Tora die Gemeinde erhebt. In ihr findet man 613 Ge- und Verbote.

Die Tora ist der Grundstein des jüdischen Glaubens. Sie wird auch als Pentateuch bezeichnet, da sie aus den 5 Büchern Mose besteht (griech. pente = 5). Der Begriff "Tora" kommt aus dem Hebräischen und heißt soviel wie Lehre, Unterweisung, Gesetz.

Die fünf Bücher Mose sind nach ihren Anfangsworten benannt:
1. Bereschit -> "Am Anfang"
2. Schemot -> "Die Namen"
3. Wajikra -> "Er rief"
4. Ba Midbar -> "In der Wüste"
5. Dewarim -> "Die Worte"

Zum Inhalt

1. BERESCHIT (Genesis) - das erste Buch Mose
Es ist die Schöpfungsgeschichte, und hat die Erschaffung der Welt (mit deren göttlichen Ursprung) sowie die Lebensläufe der Erzväter zum Inhalt.
Ferner vermittelt es den Grundsatz über die Gleichheit der Menschen vor Gott.

2. SCHEMOT (Exodus) - das zweite Buch Mose
Hier wird die Prägung des Volkes als ein kollektives Individuum aufgezeigt. Aufgrund ihres feindlichen Umfelds in Ägypten, wo sie in Sklaverei geraten, kommt es zur Übertragung des Lebens der Erzväter auf das gemeinschaftliche Bestreben des sich herausbildenden Volkes. Das Kernstück dieses Buches sind die zehn Gebote. Sie legen das zwischenmenschliche Verhalten und das Verhalten zwischen Mensch und Gott dar.

umhüllte Torarolle - copyright by SweetChild Software

3. WAJIKRA (Leviticus) - das dritte Buch Mose
Das Buch beschäftigt sich mit den Opferdiensten der Priester (die durch Leviten im Gottesdienst unterstützt werden sollen). Es beschreibt weitere allgemeingültige Gebote, wie das der Speisevorschrift oder der geschlechtlichen Reinheit, die Achtung von Mitmenschen und das Gebot zur absoluten Ehrlichkeit. Ein Gehorsam gegenüber diesen Grundsätzen bringt dem Volk Wohlstand und Ungehorsam führt zur Katastrophe.

4. BAMIDBAR (Numeri) - das vierte Buch Mose
Es beginnt mit der Annahme, dass das Volk bereit sei den Zug in das verheißene Land anzutreten. Eine Generation muss nun vierzig Jahre lang in der Wüste verweilen, bis die Sklavenseelen ausgestorben sind. Unter der Führung zweier glaubensstarker Männer darf eine neue Generation in das Land einziehen. Eine neue Ära zieht auf.

5. DEBARIM (Deuterononium) - das fünfte Buch Mose
Diese Buch soll laut Bibelkritikern erst später abgefasst worden sein. Es zeigt die Abschiedsansprache Moses an das Volk. Er legt die Vergangenheit, sowie Kritik an seinen Fehlern dar. Er wiederholt die zehn Gebote und bringt eine Zusammenfassung des Glaubensbekenntnisses.

Nach Erkenntnissen der historischen Bibelwissenschaft ist der Pentateuch aus älteren Quellen erwachsen. Als solche nimmt man vor allem an: Eine Schrift des sogenannten Jahwisten (ca. 950 v. Chr.) und des Elohisten (ca. 800 v.Chr.). Dazu kommt noch eine Priesterschift, die ca. 550 v. Chr. verfasst wurde. Nach jüdischer Tradition enthält der Pentateuch, die schriftliche Tora, 613 Ge- und Verbote - die Mizwot. Diese stehen in einem Erzählzusammenhang mit Ereignissen von der Weltschöpfung bis zum Tod des Mose.

  heb.: Bezeichnung deutsche Übersetzung griech.: Bezeichnung deutsche Übersetzung
1. Buch Mose Bereschit Am Anfang (schuf)... Genesis Ursprung
2. Buch Mose Schemot (Dies sind) die Namen... Exodus Auszug
3. Buch Mose Wajikra Und es rief (Jahwe) ... Leviticus Priesterliches Gesetz
4. Buch Mose Bemidbar (Und es redete Jahwe) in der Wüste... Numeri Zählung
5. Buch Mose Debarim (Dies sind) die Worte... Deuteronomium Zweites Gesetz


Die Propheten - Die Neviim
Die Neviim stellt den zweiten Hauptteil des Tenachs dar. Von diesen Schriften werden nur Teile regelmäßig in Synagogen verwendet, vor allem zu Festtagen und besonderen Gelegenheiten hinter der eigentlichen Toralesung (Bezeichnung Haftarah). Sie entstanden in der Zeit von 750 - 500 v. d. Z..
Es kann ebenfalls in unterschiedliche Teile gegliedert werden.

Die frühen Propheten folgende Bücher: Josua, Richter, Samuel I,II
Die späteren Propheten 4 Bücher der eigentlichen Propheten – Jesaja, Jeremia, Ezechiel und 12 kleinen Propheten


1. Die frühen Propheten: Sie enthalten die Bücher der Geschichte (von Landnahme des Volkes in Kanaan bis zum Untergang der beiden Königreiche). Die Propheten empfanden sich selbst als die Überbringer der Botschaft Gottes. Im Volk galten sie als Wahrsager. Von den frühen Propheten sind keine wortgetreuen Niederschriften vorhanden.

2. Die späteren Propheten: Sie werden in 3 große und 12 kleine Bücher ein. Von den "Großen" sind größere Teile erhalten geblieben, Aus diesem Grund werden sie so bezeichnet. Die Schreiber der Bücher stammen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten. Somit werden auch unterschiedliche Themen, Probleme und deren Lösungen beschrieben, z. B. Gottesworte, Belehrungen und Prophezeiungen. Sie sprachen oftmals die Wahrheiten aus, welche für die jeweiligen Herrscher nichts positives bedeuteten, z. B. soziale Ungleichheit und Kritik am Einfluss fremder Kulte.

Die Schriften - Die Ketubim
Sie umfassen den dritten Teil des Tenachs. Die Schriften stammen aus der Zeit des Babylonischen Exils. Diese Schriften finden im jüdischen Gottesdienst auf verschiedene Art Verwendung. Es gibt auch hier ein unterschiedliches Aufteilungsprinzip.

Toraschrein - Synagoge Hechingen (vor 1938)

poetische Schriften Psalmen, Sprüche, Hiob
fünf Rollen Hoheslied, Ruth, Klagelieder, Prediger, Esther
geschichtliche Schriften Daniel, Estra, Nehemia


Herstellung

Heute werden die Torarollen von speziellen Schreibern (Sofer) mit Gänsekielen und Tinte ohne Metallzusätzen auf Pergament geschrieben. Das Pergament wird speziell für diesen Zweck in Handarbeit aus der Haut rituell reiner Tiere gefertigt. Jeder Buchstabe hat eine bestimmte Schreibweise. Der kleinste Fehler macht die Rolle für den rituellen Gebrauch untauglich. Die alten, kaputten Rollen werden auf dem Friedhof beerdigt (siehe Beispiel Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee).

Torarollengrab - Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee

Aufbau einer Torarolle

Die Tora wird derart geachtet, dass man sie mit den Händen nicht berührt. Aufbewahrt wird sie in einem Schrein an der Ostwand der Synagoge, vor dem meist ein dekorativer Vorhang hängt. Die Rolle wird jeweils um den Abschnitt weitergedreht, der gerade im Gottesdienst vorgelesen wurde. Zur Aufbewahrung bindet der Vorbeter oder ein Mitglied der Gemeinde um die zusammengelegte Rolle den sogenannten Wimpel, einen Leinenstreifen, der von der Mutter aus der Beschneidungswindel eines Knaben geschnitten, zusammengelegt und dann bestickt oder bemalt wurde.

Wimpel - hier eine Darstellung der erhofften glücklichen Hochzeit des Sohns

Die Tora ist auf zwei Stäbe gewickelt. Diese Stäbe bilden den Baum des Lebens (Ez Chajim). Die Mappa - ein einfaches Tuch umhüllt die Rolle. Darüber wird dann ein bestickter Mantel (Me'il) gewickelt. in sefardischen Synagogen wird die Tora nicht mit einem Stoffmantel umhüllt, sondern in einem Holzkasten, dem Tik, aufbewahrt. Der Tik wiederum steht im Toraschrein.
Sämtliche Bestandteile einer Torarolle sind als Zeichen für die Verehrung der göttlichen Worte reich verziert: Die Rolle wird mit einem Schild (Tass) geschmückt. Beliebte Motive sind der Löwe als Symbol des Stammes Juda und die 2 Säulen Boas ("in ihm ist Kraft") und Jachim ("er steht fest"), welche an der Vorhalle des 1. Tempels standen. Häufig wird der Torarolle eine Krone (Kether) oder ein mit Glöckchen verzierter Aufsatz aufgesetzt (Rimonim = Granatäpfel). Tass, Kether und Rimonim sind meist aus Silber gefertigt. Mit dieser "Ausstattung" erreicht eine Torarolle letztlich eine Höhe von ca. 1 Meter.
Zum Lesen der Tora verwendet man den Deuter (Jad). Dies ist ein silberner Stab, an dessen Ende eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger befestigt ist. Der Jad fungiert als Lesehilfe und dient gleichzeitig dem Schutz der Tora vor unsauberen Händen.

verfasst von: Susanne Kühne / Claudia Schreiber


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