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Die messianische Erwartung im Judentum

Die Erwartung des Messias wird von den Juden mit der Erlösung Israels aus allem Unheil verbunden.
Die griechische Bezeichnung "Messias" steht für das hebräische Wort "Maschiach", das übersetzt so viel bedeutet wie "der Gesalbte" und ursprünglich den herrschenden König beschreibt. Auffallend ist hierbei, dass "Christus" das lateinische Pendant zu "Maschiach" darstellt.

12. Glaubensartikel des jüdischen Gelehrten Maimonides(1135-1204):
"Ich glaube mit voller Überzeugung an das dereinstige Kommen des Messias, und ob er gleich säume, so harre ich doch jeden Tag auf sein Kommen!"

dazu entsprechend im jüdischen Gebetbuch:
"Er schickt am Ende der Tage unseren Gesalbten, zu erlösen, die auf das Endziel der Erlösung harren."

Die Bedeutung des Messias für das jüdische Volk

Das Ende der Welt ist durch Gott bestimmt. Der Gläubige gibt seine Hoffnung nicht auf und hält daran fest, dass nicht Chaos und Vernichtung, sondern Heil für das Volk Israel und alle Völker anbrechen wird. Diese Prophezeiung soll durch den Messias, den verheißenden König der Endzeit, eingeleitet werden und damit die endgültige, vollkommene und alle Bereiche des Lebens in dieser Welt umfassende Gottesherrschaft anbrechen.

Wer sich der Tora unterstellt und den Gotteswillen in seinem Leben und Volk verwirklicht, der befindet sich im Reich Gottes; wer sich so von Gott regieren lässt und die Gottesherrschaft für sein Leben anerkennt, gehört zum wahren Israel.
Die Aufgabe des Messias besteht nun in der völligen Durchsetzung der Gottesherrschaft, und das unter allen Völkern. Das Volk Israel wird aus seinem Leid und der Bedrängnis erlöst, d.h. alle Verfolgung, Entwürdigung und Verachtung hören auf und es findet zu seinem Recht in dieser Welt. Mit "Erlösung" ist nicht die von Sünde und Schuld gemeint, vielmehr eine Art nationale Befreiung und Friede ("Schalom" im Sinne von allumfassenden Heils) für alle Völker.

Gott selbst wird nach Verwirklichung des Friedens König:
"Der Herr wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tage wird der Herr einzig sein und sein Name einzig." (Sacharja)
Man erwartet die Erlösung dann, wenn das Volk in großer Bedrängnis lebt; die Größe des Leids entspricht der Größe des Retters und Erlösers, also des Messias. Man bezeichnet dies als Zeit der "messianischen Wehen". Die Erwartung war groß in Zeiten nationalen Unglücks:

nach Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch die Römer lag die Hoffnung auf dem Freiheitskämpfer Bar Kochba, dessen "endzeitlich" verstandener Befreiungskampf gegen Rom endete 135 mit einer Niederlage für das jüdische Volk

durch furchtbare Verfolgungen in Osteuropa bestimmte Sabbatai Zwi sich selbst zum Messias und den 18.06.1666 zum Tag der Erlösung; er wurde im messianischen Jahr 1666 in der Türkei als Gefangener zum Übertritts zum Islam gezwungen und es machten sich tiefe Enttäuschung und Glaubenszweifel bemerkbar



Die Erfahrungen machten den Juden deutlich, dass der Messias nicht vom nationalen Unglück abhängig zu sein scheint, als vom Glauben und der Frömmigkeit des Volkes: "Wenn Israel nur einen einzigen Sabbat genau nach den Vorschriften beachtet, dann wird der Messias kommen"

Vorstellungen vom Messias

Nach Daniel 7,13.14 soll der Messias in siegreicher, strahlender Glorie sein von Gott gegebenes Königsamt antreten; jedoch nach Scharja 9,9 als König, der in niedriger Demut wirkt. Aus den verschiedensten Meinungen bildete sich eine Vorstellung zweier Messiasgestalten heraus:

einen als Sohn Davids, dem Urbild der Könige

einen als Sohn Josephs bzw. Ephraims



Beide sollen in der Endzeit nacheinander erscheinen. Der Sohn Josephs stirbt im Kampf mit den Widersachern Israels und der Sohn Davids führt zum Sieg und in die messianische Erlösung.

Viele Juden übertragen die Erwartung des Messias als Einzelperson auf das jüdische Volk in seiner Gesamtheit: Israel als Messias für diese Welt. Die Hoffnung mancher von zionistischen Idealen geprägte Israelis liegt auf einen Staat Israel als Modell für diese Welt. In diesem Staat herrscht kein Leid (Juden unter den Völkern), nur Gerechtigkeit und Frieden. Trotz zahlreicher Unterschiede ist das Kommen messianischen Heils als Hoffnung Israels Gegenstand jüdischen Betens, nicht nur im Gottesdienst, auch im täglichen Gebet der einzelnen:

"Der Barmherzige beglücke uns mit den Tagen des Messias und dem Leben der zukünftigen Welt..."

Das Ziel ist also die zukünftige Welt, eingeleitet von dem Messias, deren Übergang fließend und die genaue Trennung nicht möglich ist. Mit der Erneuerung der Welt werden die Toten auferstehen und deshalb spricht man auch dieses Gebet zur Beerdigung:
"Erhoben und geheiligt werde sein großer Name in der Welt, die einst erneuert wird. Er belebt die Toten und führt sie zu ewigem Leben empor. Er baut die Stadt Jerusalem und krönt seinen Tempel in ihr. Er entfernt den Götzendienst von der und bringt den Dienst des Himmels wieder an seine Stelle (nämlich auf die Erde!). Regieren wird (dann) der Heilige, gelobt sei er, in seinem Reiche und in seiner Herrlichkeit..."

Die ab der messianischen Zeit erneuerte Welt, in der es nunmehr kein Elend, keinen Tod, Hunger, keine Not oder Krankheit geben wird, ist von dem göttlichen Heil, der Zeit der Erlösung, des Friedens, des Glücks, des Wohlgefallens und Erbarmens Gottes und des Lebens mit ihm erfüllt.

Zukünftige Welt: "Es hat (sie) außer dir, o Gott, kein Auge geschaut."
Die Vorstellungen und Bilder über die neue Welt Gottes sind verboten.

Die messianische Erwartung ist weit verbreitet und heute fast noch stärker durch die Gründung des Staates Israel und dessen Schicksal. Die einen hoffen auf den kommenden Messias, andere wiederum auf eine messianische Zeit.

Die diesseitigen Erwartungen des jüdischen Volkes besteht einzig und allein aus der Sammlung der Juden aus der Zerstreuung in ein nationales Gemeinwesen, die Wiederentstehung des Tempels und Frieden und Gerechtigkeit für alle Völker.


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