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Tallit und Zizit (Gebetsmantel und Schaufäden)

Der Tallit spielt im jüdischen Leben eine sehr wichtige Rolle.
Er wird als Gebetsmantel oder Gebetsschal bezeichnet. Dieser ist mit Schaufäden (Zipfelquasten) versehen. Sie geben ihm seine religiöse Bedeutung. Kleidungsstücke, die nicht vier oder mehr Ecken haben, brauchen keine Schaufäden. Dieses Gebot gilt nur für den Tag. Deshalb trägt man beim Abendgottesdienst keinen Tallit. Der Tallit wird getragen, damit der Jude daran denkt, die Gesetze Gottes einzuhalten. Den Tallit tragen die männlichen Gläubigen zu allen Morgenandachten der Woche, sowie am Sabbat und an den Festtagen. Er wird nur von Männern getragen.

Krakauer Rabbiner - im Gebet. (um 1910)

Dies basiert auf der talmudischen Regel, die die Frauen von der Einhaltung jener Vorschriften befreit, die tagesüber befolgt werden müssen. Die Frau soll in erster Linie für ihr Heim und ihre Familie da sein. Damit der Tallit als Kleidungsstück zählt, muss er groß genug sein, um den größeren Teil des Rumpfes zu bedecken. Weil es sehr lästig ist, den ganzen Tag ein solches Übergewand zu tragen, wird ein Untergewand benutzt (Tallit katan). Das ist ein viereckiges Kleidungsstück, das auf den Schultern hängt, Brust und Rücken bedeckt und gewöhnlich unter dem Hemd getragen wird. So wird die Mizwa (Gebot) nicht nur während des Gebets, sondern während des ganzen Tages erfüllt. Manche Juden tragen den Tallit katan so, dass die Schaufäden offen sichtbar heraushängen, weil jede Franse eines der 613 Ver- und Gebote der Tora repräsentieren soll. Viele Juden bedecken sich den Kopf mit dem Tallit, ehe sie das Gebet sprechen, um ihre Konzentration zu vertiefen.

Tallit - copyright by SweetChild Software

Tefillin (Gebetsriemen)

Der Tefillin ist genau so wichtig wie der Tallit. Die Tefillin sind zwei lederne Schächtelchen, die Pergamentstückchen mit ausgewählten Torastellen enthalten. Die vier Toraabschnitte für die Handtefillin sind auf ein einziges Stück Pergament geschrieben, die für den Kopftefillin auf je ein Pergament. Dieser Text muss handgeschrieben sein und die Lederriemen, Hülsen und das Pergament müssen von koscheren Tieren stammen. Die Schächtelchen sind an ledernen Riemen befestigt. Man nennt diese Riemen auf hebräisch Rezuot. Der Riemen des für den Arm bestimmten Kästchens, muss bei Rechtshändern siebenmal um den linken Arm gewickelt werden, bei Linkshändern um den rechten, da der Psalmvers im Hebräischen aus sieben Wörtern besteht. Das Ende der Riemen wird noch dreimal um die Hand und dreimal um den Ringfinger und den Mittelfinger gewickelt, denn so entsteht die Form des hebräischen Wortes Schadai, was "Gott" bedeutet.

Juden, die den sephardischen Ritus befolgen, wickeln die Tefillin im Uhrzeigersinn um den Arm, die Aschkenasim entgegen dem Uhrzeigersinn. Es gibt vier Stellen in der Tora, die hervorheben, dass die Juden ein Zeichen (ein Symbol) auf ihre Hand und zwischen ihre Augen setzen sollen, das sie daran erinnert, Gottes Geboten zu gehorchen und dass er sie aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. Die Tefillia (Singular von Tefillin) vor der Stirn steht für geistige Loyalität. Die Tefilla an der Hand erinnert daran, dass der Jude Gott mit aller Macht und aller Kraft dienen muss.

Die Frauen dürfen im orthodoxen Judentum keinen Tefillin tragen, da es als ungehörig gilt, heilige Gegenstände zu tragen, wenn man sich im Zustand der Unreinheit befindet (Menstruation) und weil sie von allen Geboten befreit sind, die an eine bestimmte Zeit gebunden sind. Die Tefillin werden vom Todestag eines nahen Verwandten bis zu dessen Beerdigung nicht getragen, da es als unangemessen betrachtet wird, wenn jemand an einem Tag der Trauer Freude äußert. Der Tallit wird vor dem Tefillin angelegt, weil die jüdischen Gesetze vorschreiben, dass ein häufiger angewandtes Ritual vor dem weniger häufig angewandten ausgeführt werden muss. Das Gebot, Tefillin zu tragen, kann nur tagsüber, vorzugsweise beim Morgengebet erfüllt werden. Tefillin werden nur an Wochentagen angelegt, nicht am Sabbat und an den Festtagen. Tefillin trägt man ab der Religionsmündigkeit (siehe Abbildung ).

Kopf- und Handteffilin - copyright by SweetChild Software

Kopfbedeckung

Das Käppchen oder Kipa (Kopfbedeckung) erinnert die Juden an ihr Judentum. Manche tragen es ständig, andere nur während des Gebets und bei den Mahlzeiten. Doch der Talmud verknüpft das Tragen einer Kopfbedeckung eher mit der Vorstellung von Ehrerbietung (für Gott) und Respekt. Der Brauch, eine Kopfbedeckung zu tragen, ist weit verbreitet, wird aber nicht von allen Juden gepflegt. Heutzutage glauben die orthodoxen und viele konservative Juden, dass es ein Ausdruck der Gottesfurcht ist, sich den Kopf zu bedecken. In fast allen reformierten Gemeinden bleibt es dem Einzelnen überlassen, ob er sich beim Gebet den Kopf bedeckt.

Kinderkippas - copyright by SweetChild Software

Gartl (Gürtel)

Die Chassidim und viele orthodoxe Juden tragen - besonders während des Betens - einen Stoffgürtel um die Taille. Für fast alle ist er Teil ihrer Alltagskleidung, da die Gebete mehrmals am Tag gesprochen werden. Das Tragen eines Gürtels geht auf talmudische Zeiten zurück. Der Brauch wurde eingeführt, damit der Mensch immer daran denkt, dass es einen Unterschied zwischen dem oberen und dem unteren Teil des Körpers gibt.

verfasst von: Konstanze Großmann


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