|
 |
Startseite Religion Feste Sukkot
|
 |
Druckbare Version
|
 |
Bedeutung und Geschichte Sukkots |
Sukkot, bei dem der ursprüngliche Charakter eines Erntefestes noch heute erkennbar ist, findet fünf Tage nach dem Versöhnungstag Jom Kippur vom 15.-22. Tischri (September/Oktober) statt.
Es gehört wie Pessach und Schawuot zu den Wallfahrtsfesten, die zur Zeit der beiden Tempel mit einer Pilgerfahrt nach Jerusalem und Opfern im Tempel begangen wurden. Es ist ein Wallfahrtsfest, das schon in der Tora erwähnt wurde und am Abschluss einer Erntesaison statt fand. An Sukkot, welches eines der fröhlichsten Feste darstellt, sollen die Menschen daran erinnert werden, dass einst Israel nur ein besitzloses Nomadenvolk war, das in der Wüste lebte und aufgrund dessen keinen Ernteertrag besaß. Es soll verstärkte Anerkennung und Dank für Gottes Gaben ins Bewusstsein des Gläubigen bringen. Deshalb wurde mit einem biblischen Gebot angeordnet, eine Laubhütte (Sukka) zu errichten und für wenige Tage in ihr zu wohnen.
|
|
 |
 |
Bau einer Sukka Italien um 1430
|
|
Sukka - die Laubhütte |
Eine Sukka, die aus Holz, Zeltwänden, sowie Matten bestehen kann, muss mindestens drei Wände haben und es ist nicht gestattet, dass sie unter einer Bedachung oder einem Baum steht, denn dann ist diese nicht koscher und nicht nutzbar. Am wichtigsten bei einer Sukka ist das Dach, welches aus zusammengebundenen Zweigen und Laub besteht, durch die der Himmel zu sehen sein muss. Davon herab hängen verschiedene Arten von Früchten. Bei der Ausschmückung einer Sukka sollen die Kinder stark eingebunden werden, denn Sukkot ist ein sehr fröhliches Fest, bei welchem auch kreative Ideen gefragt sind. Während der Sukkot-Woche soll man soviel Zeit wie möglich in der Laubhütte verbringen. Es sollen zumindest darin die Mahlzeiten eingenommen werden, wenn die Witterung es nicht zulässt darin zu schlafen. Die Laubhütte erinnert an die Notwendigkeit, Gott für die reichlichen Gaben der Natur zu danken, an die Unbeständigkeit des Lebens und die Notwendigkeit auf Gott zu vertrauen, denn als die Israeliten durch die Wüste zogen, wohnten sie auch damals nur in Hütten. |
 |
|
Der Feststrauß und die „Vier Arten“ |
Im Synagogengottesdienst wird für gewöhnlich der Feststrauß, der aus einem Palmzweig (Lulaw), einer besonderen Zitrusfrucht (Etrog), drei Myrtenzweigen (Hadasim) und zwei Bachweidenruten (Arawoth) besteht, geschüttelt. Er hat verschiedene symbolische Bedeutungen, zum einen stellt er die verschiedenen Vegetationen im biblischen Isreal dar und zum anderen symbolisiert der Feststrauß die Einheit des Volkes Israel. |
|
 |
Etrog hat einen süßen Geschmack und herrlichen Duft. |
 |
Früchte der Dattelpalme, von der der Lulaw stammt, haben dagegen einen guten Geschmack, jedoch keinen Duft. |
 |
Die Myrthe dagegen besitzt Duft, jedoch keinen Geschmack. |
 |
Die Bachweide besitzt weder Geschmack noch Duft. |
|
|
Genauso verhält es sich auch mit den Juden: |
|
 |
Einige Juden haben Torakenntnisse und sind wohltätig. |
 |
Andere haben zwar Torakenntnisse, sind jedoch nicht wohltätig. |
 |
Einige haben auch keine Torakenntnisse, sind aber wohltätig. |
 |
Manche sind, wie die Bachweide, und haben nichts von Beidem. |
|
Das Beschlussfest „Schemini Azeret“ |
Der achte Tag des Laubhüttenfestes wird ohne die Symbole der Hütte und des Feststraußes begangen. Man nimmt nur noch das Frühstück in der Sukka ein und verlässt diese mit einem kurzen Gebet. Im Zusatzgottesdienst wird nun zum erstenmal das Gebet um Regen gesprochen und das Buch Koheleth gelesen. Schemini Azeret wird in Israel und den meisten Reformgemeinden zusammen mit Simchat Tora begangen.
|
Simchat Tora - das Torafreudenfest |
Mit Simchat Tora erfolgt ein neunter Festtag, dessen Name schon auf den Inhalt des Festes hinweist. Jeden Sabbat wird ein bestimmter Toraabschnitt gelesen. Diese Lesungen sind so eingeteilt, dass im Laufe eines vollen Jahres alle fünf Bücher Mose vorgetragen werden. Zu Simchat Tora liest man den letzten Abschnitt des letzten Buches (Deuteronomium) und beginnt sofort wieder mit dem Ersten (Genesis). Es ist eine Ehre für einen Gläubigen zu einer solchen Lesung aufgefordert zu werden, diese Leser heißen dann „Bräutigam der Tora“ und „Bräutigam des Anfangs“. Dieses Fest bietet Juden eine besondere Gelegenheit ihre Liebe zur Tora und die Freude an ihr zu zeigen. Zu diesem Anlass werden die Torarollen besonders geschmückt und während des Gottesdienstes aus der Lade gehoben. Man trägt diese nun mit Tänzen und von Liedern begleitet mehrmals durch die Synagoge.
Die Schilderung von Scholem Aleichem (1859-1916) gibt ein näheres Bild über Simchat Tora:
„ Aus dem Aron Hakodesch wurden alle Torarollen herausgenommen. Viele Männer standen vorne, und jeder bekam eine. Dann gingen sie hintereinander her, ein langer Zug (...) Der Chasan, Rabbi Melech, mit seinem großen weißen Tallit, zog voran. Ihm folgten an zehn Männer (...) Dann zogen sie rings um den Almemor, und Rabbi Melech sang: „Du stehst den Armen bei, o hilf doch!“ Die Frauen und Mädchen küßten die Tora und begrüßten die Männer. Dann standen alle still. Der Umzug war beendet. Jetzt setzte Rabbi Melech mit einem fröhlichen Niggun ein, und die ganze Gemeinde sang mit. Da legte jeder von den Toraträgern eine Hand auf die Schulter seines Nachbarn, und so begannen sie zu tanzen. Die andern klatschten entweder im Takt in die Hände oder tanzten auf Bänken herum. Mir schien, auch alle Lichter und selbst die Kronleuchter tanzten mit. Waren nicht auch die großen, bunten Fenster lebendig geworden ?“ (Stern 19f) |
Druckbare Version
|
Laubhüttenbau |
 |
|
 |
 |
 |
|