Der jüdische Kalender

Das Judentum kennt eine eigene Zeitrechnung, einen reichhaltigen, auf älteste Traditionen zurückgehenden Festtagszyklus und einen eigenen Kalender.
Im Hebräischen heißt der Kalender lu'ah.

1. Entstehung bzw. Entwicklung des jüdischen Kalenders
Die Entstehungsgeschichte des Kalenders reicht bis in alttestamentarische Zeit zurück. Wahrscheinlich wurde schon damals ein Lunisolarkalender verwendet. Die Entscheidung über das Einschalten eines 13. Monats erfolgte wohl durch die Beobachtung von Himmelserscheinungen und anhand der Reife der Saat auf den Feldern.

In der Zeit vor der Babylonischen Gefangenschaft (587 bis 538 v.u.Z.) trugen die Monate, bis auf einige wenige (Abib, Ziv, Bul und Ethanim) keine Namen: . Im Jahre 587 v.u.Z. wurde Jerusalem vom Heer des babylonischen Königs Nebukadnezar II. zerstört. Die jüdische Ober- und Mittelschicht wurde nach Babylonien deportiert; die babylonischen Monatsbezeichnungen standen dann hier Pate für die Namen der Monate des jüdischen Kalenders. Die Bestimmung des Monatsanfangs geschah zunächst auf Grund von Beobachtungen. Dazu trat am 30. Tag eines jeden Monats ein Kalenderrat zusammen, der die Aussagen glaubwürdiger Zeugen über die Sichtbarkeit der Mondsichel hörte. Der Tag, an dessen Vorabend die Mondsichel gesichtet wurde, erklärte man dann zum ersten Tag des neuen Monats. War die Sichel noch nicht zu sehen, wurde erst der nächste Tag zum ersten des Folgemonats gemacht. Die Nachricht vom Beginn des neuen Monats wurde durch Signalfeuer verbreitet.

Im Verlauf der Geschichte entwickelte sich auch der jüdische Kalender weiter. Es entstand der Sanhedrin als höchste Instanz für innerjüdische Angelegenheiten. Bei ihm lag auch die Entscheidung über Monats- und Jahresanfänge. Durch die zunehmende Verstreuung der jüdischen Gemeinden über die ganze Welt wurde es notwendig Regeln zur inneren Struktur und zum Schaltrhythmus aufzustellen, nach denen überall das Datum bestimmt werden konnte. Gegen Anfang des 4. Jahrhunderts wurden die Monatsanfänge bereits rechnerisch bestimmt, obwohl am Brauch, Zeugen zum Erscheinen der Mondsichel zu befragen, noch festgehalten wurde. Als unter Kaiser Konstantin das Christentum faktisch zur Staatsreligion aufstieg, erfolgten erneute Unterdrückungsmaßnahmen gegen die jüdische Religion, deren Ausübung z.T. vollkommen verboten wurde. Sogar die Berechnung des Kalenders war untersagt. Daraufhin veröffentlichte Patriarch Hillel II. im Jahre 359 n.d.Z. die Regeln zur Kalenderberechnung, die bis dahin geradezu als Geheimnis gehütet wurden. Mit diesen Regeln wurde auch die Anordnung der Schaltjahre im neunzehnjährigen Zyklus festgeschrieben. Die Epoche und die Einzelheiten der Neujahrsbestimmung waren noch nicht in der heutigen Form enthalten und wurden nach und nach festgelegt, bis schließlich seit dem 10. Jahrhundert der Kalender seine heutige Form hatte.

2. Erklärung bzw. Erläuterung des jüdischen Kalenders
Beim jüdischen Kalender beginnt die Zählung mit dem Jahr der Weltschöpfung, das aus der Bibel mit 3761 v.u.Z. errechnet ist. 2001 n.Z. ist also das Jahr 5762 nach jüdischer Zeitrechnung.

Der heutige Kalender ist ein Mond- Sonnenkalender (lunisolar), das heißt die Monde werden nach dem Mond berechnet und das Jahr nach der Sonne. Er errechnet sich also auf Grund einer Nebeneinanderstellung von Sonnen- und Mondjahren, damit sämtliche Feste stets in die gleiche Jahreszeit fallen.

Die Juden rechnen mit Gemeinjahren zu 12 Monaten und mit Schaltjahren zu 13 Monaten.
Da die Monate des jüdischen Kalenders Mondmonate sind, schwankt die Monatslänge zwischen 29 (<<mangelhafter>> Monat) oder 30 (<<voller>> Monat) Tagen. Die Monatsnamen sind über das Aramäische dem Babylonischen entlehnt. Sie lauten: Nisan (Länge: 30), Ijjar (29), Siwan (30), Tammus (29), Aw (30), Elul (29), Tschiri (30 Tage), Cheschwan ( 29 oder 30), Kislew (29 oder 30), Tewet (29), Schewat (30) und Adar (29). Die Monate passen sich dem Mondlauf ziemlich genau an. Hat Cheschwan 29 und Kislew 30 Tage, so spricht man von einem <<regelmäßigen>> bzw. <<gewöhnlichen>> Jahr mit 354 Tagen (shanah kesidra), haben beide nur 29 Tage, so ist das Jahr mit 353 Tagen <<mangelhaft>> bzw. <<unterzählig>> (shanah chasera). Haben beide Monate 30 Tage, so ist das Jahr <<überzählig>> und hat 355 Tage (shanah shelema). Ein Gemeinjahr kann also 353,354 oder 355 Tage haben.


Um den Unterschied zum Sonnenjahr auszugleichen, wird im neunzehnjährigen Zyklus in jedem 3.,6.,8.,11.,14.,17 und 19. Jahr ein zusätzlicher zweiter Monat Adar ( Adar II mit 29 Tagen folgt dann auf Adar (I) mit 30 Tagen) eingeschoben. In diesem Fall spricht man von Schaltjahren. Schaltjahre sind bei den Juden also jene, bei denen nach der Division durch 19 den Rest 0,3,6,8,11,14 oder 17 bleibt. Da das Schaltjahr wie das Gemeinjahr eine schwankende Länge hat, kann es dementsprechend 383, 384 oder 385 Tage haben, denn es hat einen Monat zusätzlich.

Die Anfänge der Jahreszeiten werden nach den Monaten benannt, in die sie fallen. So wird der Frühlingsanfang als Tekufat Nissan, der Sommeranfang als Tekufat Tammus und der Herbstanfang als Tekufat Tschiri bezeichnet. Tekufat Tewet ist die Bezeichnung für den Winteranfang.

Die Woche hat 7 Tage. Sie werden durch die sechs ersten Buchstaben des hebräischen Alphabets oder durch Ordnungszahlen bezeichnet. Nur der siebte Tag hat einen "richtigen" Namen. Er heißt Sabbat.

Der Tag beginnt mit Einbruch der Nacht und hat 24 Stunden. Die Woche beginnt daher mit Sonntag. Die 24 Stunden des Tages bestehen aus je 1080 <<Teilen>> (Chalakim), diese haben je 76 <<Augenblicke>> (Regaim).



verfasst von: Anja Beyer


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