Hannah Arendt

Biographie

geboren am 14. Oktober 1906 bei Hannover
bekannteste deutschstämmige, jüdische Philosophin des 20. Jahrhunderts
Studium in Berlin, Marburg, Freiburg und Heidelberg (u.a. bei Heidegger,
Husserl und Jaspers): Philosophie, Theologie, Latein und Griechisch
1933 Flucht vor den Nazis nach Frankreich (dort Engagement als Leiterin
einer Fluchthilfeorganisation)
Internierung im Frauenlager Gurs
1941 abenteuerliche Flucht über Spanien in die USA
arbeitete dort als Lektorin und Schriftstellerin
später Professorin an renommierten Universitäten (Sie war u.a. die erste
Frau mit einem Lehrstuhl an der Princeton University.)
gestorben am 4. Dezember 1975 in New York

Zur Person

Ihre Kindheit war von den Leiden und dem frühen Tod ihres Vaters geprägt, aber auch von familiärer Wärme und der Bereitschaft, sich Problemen zu stellen und sie zu lösen (Antisemitismus). Das launische und selbstbewusste Mädchen wurde sogar nach einem Streit mit einem Lehrer der Schule verwiesen und konnte so ihr Abitur nur unter verschärften Bedingungen ablegen.

Die junge Hannah hatte eine ungewöhnliche Charakterstärke und vor allem, wenn sie ihren Standpunkt vertrat, ein enormes Durchsetzungsvermögen. Durch ihre Intelligenz, ihren Wissensdurst und ihr scharfes Urteilsvermögen wurde sie zu einer herausragenden Studentin. Die Zeit während des Zweiten Weltkrieges meisterte sie mit trotziger Selbstbehauptung und genauen Einschätzungen der jeweiligen Situation. Dabei gab sie niemals auf, war nie passiv oder verzweifelte. Sie war eine Frau die zupackte und handelte.

Auch bei ihren späteren philosophischen Arbeiten ging Hannah Arendt unbeirrt ihren Weg. Selbst bei den schärfsten Kritiken hielt sie an ihren Positionen fest und versuchte aber auch nicht, zu beschwichtigen oder sich zu verteidigen. Für sie zählte nur, die Welt zu verstehen. Was andere von ihren Ideen und Gedanken hielt, interessierte sie nicht.


Ihr Werk

Hannah Arendt schrieb anfangs einige kleinere Artikel und Essays.
Erst in den 50er Jahren entstanden ihre größeren Werke. Darunter befand sich auch ihr Hauptwerk "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" (1955), in dem sie sich mit Antisemitismus, Imperialismus und Totalitarismus befasste. Die Biographie "Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik" (1959) erregte ebenfalls Aufsehen.

Ihr jedoch umstrittenstes und meist kritisiertes Buch war ein Bericht über den Prozess von Adolf Eichmann. Dieser wurde 1960 vom israelitischen Geheimdienst aus Argentinien entführt, um verurteilt zu werden (er hatte die Deportation und Vernichtung der Juden organisiert und war damit für den Tod von über 5 Mio. Juden mitverantwortlich). Aus diesem Anlass reiste sie im Auftrag des "New Yorker" nach Jerusalem und gab eine fünfteilige Artikelserie und anschließend das Buch "Eichmann in Jerusalem" heraus.

Dieses Buch war Ausgangspunkt für viele kritische Kommentare und Artikel. Die beinahe drei Jahre andauernde Kontroverse bezog sich vor allem auf drei Punkte.
Als Erstes führte ihre Darstellung Eichmanns zu einem ernsten Missverständnis. Für sie war er kein gefühlloser Unmensch oder geisteskranker Judenhasser, sondern ein "schwacher, feiger Trottel". In ihren Augen fehlten Eichmann die Grundsätze, so daß er zwar seine Pflicht erfüllt hatte, aber nicht in der Lage war zu denken und damit Recht von Unrecht zu unterscheiden.

Viele (und besonders jüdische) Leser waren dadurch der Meinung, sie wolle nur Eichmanns Taten herunterspielen. Dazu kam die Empörung über ihre Äußerung, dass "die Rolle der jüdischen Führer bei der Zerstörung ihres eigenen Volkes für Juden zweifellos das dunkelste Kapitel in der ganzen dunklen Geschichte" sei. Diese Kritik an den Judenräten und vor allem am früheren Oberrabbiner von Berlin, Leo Baeck, stieß bei vielen Juden auf Ablehnung.

Und drittens war sie in ihrem Buch extrem kritisch gegenüber der Prozessführung. Hannah Arendt warf hier dem Ministerpräsidenten Ben Gurion den Missbrauch des Prozesses zu Propagandazwecken vor und griff auch Staatsanwalt Hausner und Eichmann-Verteidiger Servatius an. Lediglich die Richter wurden gelobt, da sie gerecht nur nach Eichmanns Taten geurteilt hätten.

Hannah Arendt schrieb noch viele andere Dinge, z.B. Essays über B. Brecht und W. Benjamin. Doch keines erreichte den Status jenes "Eichmann-Buches".

verfasst von: Falko Jahn


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