Samuel Fischer (1859-1934) |
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Samuel Fischer war der Gründer eines Verlages, welcher von der jüngsten Geschichte Deutschlands und der deutschen Kultur nicht zu trennen ist. Er wurde als Sohn von Karl und Erna Fischer am 24.12.1859 in Liptó Szent Miklós, einem Marktflecken in Oberungarn, geboren. Dieser Ort war von deutschsprachigen jüdischen Kleinbürgern kulturell geprägt und besaß ein aufgeklärt-jüdisches Privatgymnasium, das „Sami“ Fischer nach dem sechsten Schuljahr besuchte. Es wird vermutet, dass die Klassiker, welche sicher auch an dieser Schule gelesen wurden, Fischers Berufswünsche beeinflussten. |
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Fast mittellos und allein fuhr er 1874 nach Wien, um dort eine Lehre als Buchhändler anzutreten. Sechs Jahre verbrachte er dort und musste in dieser Zeit viel gelesen haben, - vor allem die literarischen Neuerscheinungen. Nebenbei eignete er sich kaufmännische Kenntnisse in Abendkursen an. 1880 siedelt er nach Berlin über und geht als Buchhändler-Gehilfe in die „Central-Buchhandlung“ von Hugo Steinitz. Dieser war nur wenige Jahre älter als Fischer und hatte nebenher noch einen Kommissionsverlag. Im September 1883 wurde dieser in „Hugo Steinitz & Co., Verlagsbuchhandlung“ umbenannt und Samuel Fischer wurde Teilhaber. |
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Am 28. Januar 1887 wurde das erste Buch mit dem neuen Impressum „S. Fischer, Verlag“ ausgeliefert. Es war Henrik Ibsens „Romersholm“. Sechs Titel konnte Fischer in diesem Jahr mit einem schmalen Startkapital ins Werk setzen; Ibsens „Wildente“, „Therese Raquin“ von Emile Zola, der Novellenband „Maurus Jokai´s Decameron“ und „Die Macht der Finsternis“ von Leo N. Tolstoi und „Der Cirkus und die Cirkuswelt“ von Signor Domino. Fischer hatte im literarischen Debattierclub „Durch“ die Gelegenheit, das Allerneuste noch im Stadium der Gärung zu beobachten. |
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Er hätte also in diesem Kreis nach der Leitfigur einer künftigen realistischen Literatur suchen können. Fischer jedoch tat das nicht und verlegte statt dessen weniger berühmte als berüchtigte fremdsprachige Autoren. Von 1887-1889 setzt Fischer immer mehr auf das Theater. Er lässt Stücke von Dostojewski („Der Gatte“, „Der Spieler“ und „Der Idiot“) übersetzen, der als Russe durch die damalige Rechtslage nicht vom Urheberrecht geschützt war. Fischer trug somit entschieden dazu bei, den Rang dieser Literatur im deutschsprachigen Raum durchzusetzen. Durch seine Liebe zum Theater unterstützte er auch tatkräftig die Gründung der „Freien Bühne“, welche dem Verlag neue und überraschende Perspektiven eröffnete. Im Jahre 1893 heiratete er Hedwig Fischer (geb. Landshoff) in Berlin. |
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Im darauf folgenden Jahr wird der Sohn Gerhart geboren, welcher jedoch im Alter von 19 Jahren stirbt. 1895 wurde zum ersten mal das von Otto Eckmann gezeichnete „Fischer mit dem Netz“ Verlagssignet verwendet. Es sollte Fischers Selbstverständnis als Verleger symbolkräftig ins Bild setzen: als hochrangig erkannte und anerkannte Literatur nicht bloß über den Markt zu verteilen, sondern sie aus dem kreativen Potential der Völker und Generationen erst einmal „einzuholen“. Ab 1898 erscheinen „Sämtliche Werke“ von Ibsen in zehn Bänden. Nachdem Fischer 1887 sein erstes Buch veröffentlichte, welches von Ibsen war, lernte er diesen 1889 persönlich kenn. |
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1908 schlägt der Verlag ganz neue Wege ein. „Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane“ eröffnete im Oktober . Man setzt ab sofort auf anspruchsvolle Romane und bringt monatlich einen Titel mit einer Startauflage von 15.000 Exemplaren raus. Je zwölf Titel ergaben dann eine „Reihe“. Die Jahresreihen waren so zusammengestellt, dass immer einige erfolgsversprechende Titel das wirtschaftliche Risiko der übrigen Bände ausglichen. Den tatsächlichen Gesamterfolg jedoch dürfte nicht einmal der optimistische Fischer geahnt haben. Dem Funktion- und Bedeutungswandel des Buches nach der Auflösung der Ständegesellschaft stand Fischer skeptisch, aber durchaus nicht konserviert gegenüber, so förderte er z. B. die neue Art von unterhaltender und zugleich aufklärender Reiseliteratur. Amerika war ein Zeitthema. Bernhard Kellerman, wurde ab 1906 Fischer-Autor. In seinem utopischen Ingenieur-Roman schildert er seine Eindrücke von Amerika. Fischer war sich des Erfolgs sicher, jedoch dachte er nicht, dass das Buch bis 1913 hunderttausendmal verkauft und in kürzester Zeit in 24 Sprachen übersetzt würde. |
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Bermann war eigentlich Arzt und als er im Frühjahr 1923 nach Berlin übersiedelte, lernte er im Hause des Verlegers Bruno Cassirer die zwanzigjährige Brigitte Fischer kennen. Beide beschlossen zu heiraten. Nach anfänglichem Sträuben Samuel Fischers willigte dieser doch noch ein und schlug Bermann vor, sich in das Verlagsgeschäft einzuarbeiten. Somit war der drohende Verkauf des Verlages abgewendet. Die Kompetenz des Nachfolgers wurde stetig ausgebaut und 1928 bestellte Fischer Bermann als Geschäftsführer. Die politischen Vorgänge ab 1933 sind hinlänglich bekannt. Nach der Einschränkung der Pressefreiheit und der Beschlagnahme unerwünschter Druckerzeugnisse, drängte sich die Frage auf, was nun mit dem Verlag werden sollte. |
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Zunächst hing dies vom Willen Samuel Fischers ab. Der hatte zwar die praktische Leitung vollständig an Bermann-Fischer abgegeben, man brauchte ihn jedoch zur Zustimmung. Fischer war von der politischen Gefährdung des Verlags und dem Ernst der antisemitischen Verlautbarungen nicht zu überzeugen. Nach dem Tode Samuel Fischers am 15.Oktober 1934 in Berlin wird der Verlag bedingt durch die politische Situation geteilt und Bermann-Fischer führt ihn in die Emigration und Niederlassung in Wien, Stockholm und New York. |
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