Felix Mendelssohn Bartholdy

"Er ist der Mozart des 19. Jahrhunderts, der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt."
(Robert Schumann)


Biographisches

1809 Felix Mendelssohn Bartholdy wird am 3. Februar in Hamburg geboren Vater: Abraham Mendelssohn (1776-1835) Bankier / Mutter: Lea Mendelssohn (177718.12) geb. Salomon / Geschwister: Fanny Mendelssohn (1805-1847) musikalisch hochbegabt, Rebecka Mendelssohn (1811-1858)
1811 Flucht der Familie Mendelssohn von Hamburg nach Berlin
1816 evangelische Taufe der Kinder in Berliner Neuen Kirche, Felix erhält die weiteren Namen Jakob Ludwig erhält Klavierunterricht von Ludwig Berger ferner Violinenunterricht bei Wilhelm Henning
1818 erster öffentlicher Auftritt in Berlin, Vermerk des Berliner Korrespondenten der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung: » Vielen Beifäll erhielt auch das Trio fürs Pianoforte und 2 Waldhörner von Wölfl, vorgetragen von dem 9jährigen Sohne des Banquier Mendelssohn."

1819
Unterricht in musiktheoretischen Fächern bei dem Leiter der Berliner Singakadermie Carl Friedrich Zelter
1820
erster erhaltener Kompositions- versuch (" Recitativa ")
Eintritt in die Berliner Singakademie Abraham Mendelssohn in einem Brief an Fanny über Felix' Zukunft: "Die Musik wird vielleicht für ihn Beruf."
1821
Reise mit Lehrer Zelter und dessen Tochter Doris zu Goethe
1822
Abraham Mendelssohn, jüdischer Herkunft, tritt zum Christentum über Reise in die Schweiz
Mendelssohn wirkt in einem Konzert der Anna Milder-Hauptmann - zu dieser Zeit Primadonna an der Berliner Oper - als Pianist mit

Komositionsversuch Der erste erhaltene Kompositionsversuch Mendelssohns vom 07.03.1820

1823 Reise mit Vater nach Schlesien, Mendelssohn wird konfirmiert, er beendet Arbeit an seiner Oper "Die beiden Neffen"
1824 an Mendelssohns fünfzehnten Geburtstag Orchesterprobe der Oper "Die beiden Neffen". Zelter beim anschließenden Abendessen zu Felix: "Mein lieber Sohn, von heut an bist du kein Junge mehr, von heut an bist du Gesell. Ich mache dich zum Gesell im Namen Mozarts, im Namen Haydns und im Namen des alten Bach."
1825 Reise mit Vater nach Paris, auf der Rückreise von Paris Besuch bei Schelble in Frankfurt am Main, hier hört Felix Händels Oratorium "Judas Maccabäus" in einer Aufführung des Cäcilienvereins
1826 Mendelssohn vollendet die Konzertouvertüre zu Shakespeares "Sommernachtstraum"
1828 Felix wirkt bei der Aufführung von Händels Oratorium "Judas Maccabäus" in der Berliner Singakademie mit, wird Ehrenmitglied in der Berliner Singakademie
1829 Reise nach England und Schottland, Hochzeit der Schwester Fanny in Berlin
1830-32 Reise nach Italien, durch Schweiz und Süddeutschland nach Paris und danach nach London
1833 wird zum Leiter des "Niederreihnischen Musikfests" in Düsseldorf, daraufhin dort zum städtischen Musikdirektor berufen, Mendelssohn nutzte diese Gelegenheit um Händels "Israel in Egy-pt" in deutscher Übersetzung darzubieten, bewirbt sich als Nachfolger Zelters an der Singakademie => wird aber nicht gewählt
1835 im Herbst übernimmt M. die Leitung der Gewandhauskonzerte in Leipzig
1836 Bekanntschaft mit Cecile Charlotte Sophie Jeanrenaud, seiner späteren Frau, Fanny charakterisierte sie in einem Brief an Klingemann folgendermaßen: "Sie ist ... ein so liebenswürdiges, kindhaft unbefangenes, frisches erquickliches, immer gleich und heiter gestimmtes Wesen, daß ich Felix nur glücklich preisen kann, sie gefunden zu haben, da sie ihn unaussprechlich liebt, ihn aber dabei nicht allzu sehr verzieht und seiner Launenhaftigkeit mit einem Gleichmut begegnet, der sie ihm am Ende vielleicht sogar abgewöhnen wird. Ihre Gegenwart hat etwas von frischer Luft, sie ist so leicht, klar und natürlich."

1838 Begründung "Historischer Konzerte", Hochzeit mit Cecile in Frankfurt am Main, Geburt des ersten Sohnes Carl Wolfgang Paul
1839 Bemühungen Mendelssohns um den sozialen Stand der Orchestermusiker, Geburt der Tochter Marie
1841 Geburt von Paul, beginnende Proben zu "Antigone" im Neuen Palais zu Potsdam
1843 Mendelssohn wird zum Ehrenbürger von Leipzig ernannt, Aufführung des "Paulus" in Dresden, Eröffnung des Leipziger Konservatoriums, Geburt des vierten Kindes Felix, öffentliche Aufführung des "Sommernachtstraumes " im Berliner Schauspielhaus

Cécile Mendelssohn Bartholdy

1845 im Londoner Coventgarden-Theater wird erstmals die "Antigone" aufgeführt; der Premiere folgen insgesamt fünfundvierzig weitere Aufführung, Geburt des fünften Kindes Lili
1846 Uraufführung seines Oratoriums " Elijah " (Elfas) in Birmingham
1847 Felix Schwester Fanny stirbt plötzlich an einem Gehirnschlag, bei einem Spaziergeng mit Cecile erlitt M. einen Schlaganfall ,Mendelssohn Bartholdy stirbt am 4. November

Mendelssohn Bartholdy und der Antisemitismus

Bei keinem anderen Komponisten des 19. Jahrhunderts, vielleicht Meyerbeer ausgenommen, schlägt das Pendel der Rezeption so abrupt um: Galt Mendelssohn bei seinem frühen Tode unbestritten als der erste Komponist Europas, so dauerte es nur wenige Jahre, und man machte sich Wagners- zuerst anonym geäußertes- Votum zu eigen, in dem er formulierte:

Dieser (M.) hat uns gezeigt, daß ein Jude von reichster spezifischer Tatenfülle sein, die feinste und mannigfaltigste Bildung, das gesteigertste, zartempfindende Ehrgefühl besitzen kann, ohne durch die Hilfe aller dieser Vorzüge es je ermöglichen zu können, auch nur ein einziges Mal die tiefe, Herz und Seele ergreifende Wirkung hervorzubringen, welche wir von der Kunst erwarten, weil wir dessen fähig wissen, weil wir diese Wirkung zahllos oft empfunden haben, sobald ein Heros unsrer Kunst, so zu sagen, nur den Mund auftat, um zu uns zu sprechen. "

Im Jahre 1830 komponierte Mendelssohn die "Reformationssymphonie", die aus antisemitistischen Gründen nicht zur Aufführung kam. Außerdem wurden Zweifel an der Seriosität von Mendelssohns zügigem Arbeiten geäußert. Der nächste Rückschlag in seiner Karriere folgte 1832 in Berlin. Auf Wunsch der Eltern und gegen das eigene Gefühl bewarb er sich um die Nachfolge seines Lehrers Zelter in der Leitung der Singakademie- doch wiederum antisemitistische Tendenzen verhinderten eine Berufung. Die Verbindung von Kunsturteil und Antisemitismus prägt bis in unsere Zeit die landläufige Mendelssohn-Rezeption. Heutige Urteile, die an Mendelssohns Musik die 'Glätte', 'Weichheit' und das 'Musterschülerhafte' der Formprägung kritisieren, verwenden oft unbewusst antisemitistisch intendierte Urteile Wagners.

Spätere Generationen hatten zu Mendelssohns Person und Werk ein gespaltenes Verhältnis. Antisemitistische Bewegungen richteten sich stets auch gegen ihn. Sozialistische Betrachter taten sich mit ihm schwer, weil er aus großbürgerlichen Verhältnissen stammte. Unterschiedliche nationale Interessen Deutschlands und Englands standen einer umfassenden Beschäftigung mit ihm im Wege. Vor allem während des "Dritten Reiches" wurden seine Kompositionen aus dem Programm verdrängt.

erarbeitet von: Katja Hempel


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