Arnold Schönberg

Arnold Schönberg wird am 13. September 1874 in Wien geboren. Er ist der Sohn des Schuhfabrikanten Samuel Schönbergs und dessen Frau Pauline. Bereits 1882 begann er, die Grenzen des jüdischen Kleinbürgermilieus durchbrechend, mit dem Geigenspiel und dem Komponieren. Doch Schönberg erhielt keinen Musikunterricht, er erlernt Musik autodidaktisch. Dies spiegelt sich auch in seinen ersten Kompositionsversuchen wider. So sind seine ersten Stücke relativ einfache Märsche und Polkas, da er nur das verarbeiten konnte, was er irgendwo schon einmal gehört hatte. Die höhere Schule, die er seit 1885 besuchte, musste er 1890 nach dem Tod seines Vaters verlassen, die Lehre in einer Privatbank brach er 1885 freiwillig ab.

Bis 1885 beschäftigte er sich intensiv mit der Arbeiterbewegung und dem Marxismus. Schönberg wandte sich aber bald vom Reformismus der II. Internationale ab, weil er ihn für künstlerisch unattraktiv hielt. In seinem Weltbild und Werk standen dann irrationalistische, religiöse, reaktionäre und autoritäre Momente im Gegensatz zur technischen und ästhetischen Rationalität, die den Zeitgeist bestimmte. "Fortschritt aus Tradition" bestimmt seine anfängliche kompositorische Entfaltung. Festgefahrene Gegensätze, wie der Antagonismus zwischen Brahms und Wagner, zwischen absoluter Instrumentalmusik und musikalischem Drama werden von Schönberg aufgehoben. In dieser Zeit entsteht zum Beispiel das Streichsextett "Verklärte Nacht", das als musikalische Lyrik auf Richard Dehmels gleichnamiges Gedicht bezogen ist, die sinfonische Dichtung "Pellas und Meliande" oder die "Gurrelieder", die ein Hauptwerk lyrisch begründeter Weltanschauungsmusik darstellen. Hervorzuheben ist also, dass mit Schönberg erstmals das Einzelwerk einen von musikalischen Gattung losgelösten Charakter erhält, d. h. also, dass die Gattung nur noch einen Fundus darstellt, aus dem der Komponist schöpft, aber nicht mehr die festgeschriebene Basis für die Schaffung eines Werkes.

1891 begann die Freundschaft mit Alexander Zemlinsky, der auch sein einzigster (informeller) Lehrer wurde. 1901 heiratete Arnold Schönberg die Schwester Alexander Zemlinkys, Mathilde, und zog noch im selben Jahr nach Berlin, wo er die Stelle des Kapellmeisters am Kabarett "Überbrettl" antritt. 1903 geht er wieder zurück nach Wien und unterrichtet ab 1904 an den progressiven "Schwarzwald'schen Schulanstalten", hier entdeckt er vollends seine Berufung als Lehrer. Schönberg, der keinen Musikunterricht genossen oder eine Musikhochschule besucht hatte, wird zu einem herausragenden Lehrer seiner Zeit. Diese beiden Aspekte, die widersprüchlich erscheinen, gehören eng zusammen. Sein autodidaktisches Lernen macht ihn unabhängig in seinen Urteilen und Überzeugungen. Nur sein eigenständig erworbenes Wissen lässt ihn unbeirrt neue musikalische Wege gehen, wobei aber das ihm von Alexander Zemlinsky mitgeteilte Wissen seine Wege verkürzt. Schönbergs Pädagogik lässt sich mit folgenden Worten gut beschreiben: Lernen durch Lehren, Lehren durch Lernen. Im Vorwort seines Buches "Harmonielehre", von dem er sagt, er habe es von seinen Schülern gelernt, schrieb er:

"Hätte ich ihnen auch bloß das gesagt, was ich weiß, dann wüssten sie nur das und nicht mehr. So wissen sie vielleicht sogar weniger. Aber sie wissen, worauf es ankommt: aufs Suchen! Ich hoffe meine Schüler werden suchen! Weil sie wissen werden, dass man nur sucht, um zu suchen. Dass das Finden zwar das Ziel ist, aber leicht das Ende des Strebens werden kann."

Mit diesen Sätzen wird auch klar, dass Schönberg sein Leben lang Autodidakt geblieben ist und, dass er davon ausgeht, dass er selbst auch noch nicht ausgelernt hat. Der Schülerkreis ist für ihn auch von besonderer Bedeutung, da er einen wichtigen Rückhalt gegen Angriffe traditionell-gesinnter Musikliebhaber darstellte, die ihn vor allem in Phasen der Innovation trafen. Zu seinen Schülern gehörte unter anderem Alban Berg, Anton Webern und Hanns Eisler. Die Wiener Schule, die Schönberg symbolisierte, wurde so zum Inbegriff der musikalischen Moderne.

Ab 1907 setzte sich Arnold Schönberg sehr mit der Malerei auseinander. Während dieser Periode entstanden viele Gemälde, die 1910 auf einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Ein Jahr später traf er auf den Maler Wassily Kandinsky (Begründer der gegenstandslosen Malerei) und es entwickelte sich eine Freundschaft zwischen beiden.
Musikalisch gesehen sind die Jahre von 1907 bis 1913 die, mit denen er in die Musikgeschichte einging. Schönberg , der in seinen Frühwerken als Ausläufer der Spätromantik Wagners galt, fing an gegen diese Abhängigkeit zu kämpfen, die in dieser Zeit entstandenen Werke markieren fortan den Ursprung dessen, was seither "Neue Musik" heißt. Darunter zählen zum Beispiel das Erste und Zweite Streichquartett, die Kammersymphonie, der Melodramzyklus "Pierrot lunaire" sowie die Bühnenwerke "Erwartung" und "Die glückliche Hand". Typisch für Schönberg ist die hier erstmals deutlich werdende schubartig-rasche und dann für längere Zeiten stockende Kompositionsweise.

Doch die Aufführungen seiner Werke endeten oftmals in Skandalen, die Gründe waren die Neuerungen und Weiterentwicklungen, die er in seinen Stücken einfließen ließ. So führt etwa die Uraufführung des Zweiten Streichquartetts (1908), wegen eines gattungsfremden Hinzufügens einer Gesangsstimme in den letzten beiden Sätzen zu einem eklatanten Streit und das obwohl es sich noch um ein tonales Werk handelte. Um solche Skandale auszuschließen, gründete er mit seinen Schülern den legendären, nach wenigen Jahren aber nicht mehr existenzfähigen "Verein für musikalische Privataufführungen". Der Rückzug auf eine eng umgrenzte Gruppen von "Eingeweihten" waren wirkungsgeschichtlich für die Gesamtheit der neuen Musik wegweisende Faktoren. Mit der Aufführung der "Gurrelieder" und des "Pierrot lunaire" erzielte er aber trotzdem beachtliche Erfolge.

Von 1915 bis 1918 musste er mit Unterbrechungen Kriegsdienst leisten, bis er letztendlich wegen körperlicher Untauglichkeit ausgemustert wurde.
1923 beendete Schönberg seine Freundschaft mit Wassily Kandinsky, als der sich einer antisemitischen Gruppe von Lehrern anschloss, die die Berufung Schönbergs ans Bauhaus verhinderten. So schrieb er am 20. April 1923 an Kandinsky:

Was ich im letzten Jahr zu lernen erzwungen wurde, habe ich nun endlich kapiert, und werde es nicht wieder vergessen. Dass ich nämlich kein Deutscher, kein Europäer, ja vielleicht kaum ein Mensch bin (wenigsten ziehen die Europäer die schlechtesten ihrer Rasse mir vor), sondern, dass ich Jude bin.. Ich habe gehört, dass auch ein Kandinsky in den Handlungen der Juden nur Schlechtes und in ihren schlechten Handlungen nur das Jüdische sieht, und da gebe ich die Hoffnung auf Verständigung auf. Es war ein Traum. Wir sind zweierlei Menschen. Definitiv!"

Zwei Wochen später schrieb er abermals an Kandinsky: "Und da tun Sie mit und lehnen mich als Juden ab. Habe ich mich Ihnen denn angetragen ... Wie kann ein Kandinsky ... es unterlassen eine Weltanschauung zu bekämpfen, deren Ziel Bartholomäusnächte sind!"
Im selben Jahr veröffentlicht Schönberg seine epochale "Erfindung" die "Methode der Komposition mit zwölf nur aufeinander [d.h. nicht auf einem gemeinsamen Tonika-Grundton] bezogenen Tönen", er begründete damit die Zwölftonmusik, deren künstlerische Leistungsfähigkeit fernab jeder Theorie durch Werke höchsten Ranges bestätigt wurde.

1924 heiratet er Gertrud Kolisch, nachdem ein Jahr zuvor seine Frau Mathilde, mit der er zwei Kinder hatte, verstorben war. Die Berufung zur Leitung einer Meisterklasse für Komposition an die Preußische Akademie der Künste 1925 stellte für Arnold Schönberg ein Höhepunkt äußerer Anerkennung dar. Allerdings schlägt im schon beim Antritt seines Amtes antisemitisch begründeter Protest entgegen. Weil er die Konsequenzen des latenten Antisemitismus in Deutschland voraussah, verstärkte er sein politisch-jüdisches Engagement und schloss sich zionistischen Bestrebungen an. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema verarbeitete er auch in seinen Werken, zum Beispiel im (Sprech-)Drama "Der biblische Weg" und der oratoriscen Oper "Moses und Aron". Als er 1932 nach einem gesundheitlich bedingten Aufenthalt in Barcelona nach Berlin zurückkehrte, wird ihm die Situation der Juden in Deutschland dramatisch klar und er entschließt sich 1933 nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten aus der Akademie der Künste auszutreten und Deutschland zu verlassen. in einer Pariser Synagoge bekennt er sich zum jüdischen Glauben.

Im selben Jahr noch verlässt er Europa und ging ins Exil in die USA, wo er zuerst ein Jahr in New York verweilte und dann nach Los Angeles zog. Um seine und die Existenz seiner Familie zu sichern, musste er Privatunterricht geben, bis er einen Lehrstuhl an der University of California erhielt. Das Exil an sich wurde von Schönberg nicht unbedingt als solches empfunden, da sich im neue Perspektiven für sein Schaffen eröffneten. Sein antifaschistisch vermitteltes jüdisches Engagement artikuliert er u. a. im "Kol Nidre" und er versuchte auch immer Verwandten und Freunden die Einreise in die USA zu ermöglichen. 1944 wurde er aus Altersgründen zwangsemeritiert und war so 1945 wieder gezwungen Privatunterricht zu geben.

In seinem letzten Lebensjahr 1951 wird er zum Ehrenpräsident der Israelitischen Musikakademie in Jerusalem ernannt, womit sein politisches und jüdisches Engagement gewürdigt wurde. Am 13. Juli stirbt er als Ehemann und Vater von fünf Kinder in Los Angeles.

verfasst von Jörg Buschmann


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