Kurt Tucholsky

Kurt Tucholsky wird am 9. Januar 1890 als Sohn einer großbürgerlichen Familie in Berlin geboren. Der Aufstieg des Vaters Alexander Tucholsky zum Direktor der Bank "Berliner Handelsgesellschaft" ist ein Zeichen des gesellschaftlichen und ökonomischen Erfolgs seiner assimilierten jüdischen Familie. Bereits mit 15 Jahren verlor Tucholsky allerdings seinen Vater - die Mutter überlebte den Sohn und starb 1943 als Opfer Hitlers im Konzentrationslager Theresienstadt.


Kurt Tucholsky 1931

Der Vater hinterließ dem Sohn ein beträchtliches Erbe, welches Tucholsky den Start als Schriftsteller erleichterte. Seine Kindheit verbrachte er in Berlin und Stettin. in der Stadt am Meer erlebte er im Alter von 6 - 9 Jahren die Schönheit der Ostseelandschaft, so dass daraus sein späterer Wunsch entstand, für immer in ihrer Nähe zu leben. Die entscheidenden geistigen Impulse erhielt der heranwachsende Tucholsky letztlich doch in Berlin. Durch sein Elternhaus fand er früh Zugang zu den schönen Künsten, zur klassischen Musik, zur Oper und Operette und nicht minder auch zu Variete und Kabarett.
1899 besuchte Kurt Tucholsky das Französische Gymnasium und machte schließlich 1909 als Externer, nachdem er das Kgl. Wilhelms Gymnasium verlassen hatte, sein Abitur. Sein anschließendes Jurastudium in Berlin ( Sommersemester in Genf 1910 ) beendete an der Friedrich Wilhelms-Universität 1912.

Mit Erreichen der Volljährigkeit trat Tucholsky aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus. Seit 1907 veröffentlichte er Texte in den Feuilletons der deutschen Presse und wurde 1913 Literatur- und Theaterkritiker der Zeitschrift " Die Schaubühne" ( ab 1918 "Die Weltbühne" ).

Während des Ersten Weltkrieges wurde er als Armierungssoldat zum Kriegsdienst an die Ostfront eingezogen. Nach den Kriegserlebnissen tritt er entschieden jeder Form von Militarismus entgegen und wandelt sich zum linksorientierten politischen Schriftsteller.
1924 ging Tucholsky mit seiner Frau Else, geborene Weil, als Korrespondent der "Weltbühne" nach Paris. Er schrieb unter verschiedenen Pseudonymen, wie Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel. Die verschiedenen Künstlernamen sollten die Suche nach der eigenen Identität in der zerrissenen Nachkriegsgesellschaft ausdrücken.


1924 heiratet Tucholsky nach der Scheidung der ersten Ehe die große Liebe seines Lebens Mary Gerold. Nach dem Tod des Herausgebers der "Weltbühne" Siegfried Jacobsohn sah sich Tucholsky 1926 gezwungen in Berlin die ungeliebte Arbeit als Redakteur der "Weltbühne" zu übernehmen. Unter seiner Leitung entwickelt sich die reine Theaterzeitschrift zu einem Organ der linken Intellektuellen. Seine Moral ist die des Revolutionärs als Volkserzieher.


"Die Weltbühne" vom 04.10.1927, die letzte Ausgabe für die Tucholsky als Herausgeber verantwortlich war

Seit 1930 bekämpfte er die Nazis, wo er kann: "Dass der Nazi dir deinen Totenkranz flicht - Deutschland, siehst du das nicht?" Am 10. Mai 1933 verbrannten die Nationalsozialisten auch Tucholskys Schriften auf ihren Bücherscheiterhaufen und am 28. August 1933 stand sein Name auf der ersten Ausbürgerungsliste des NS-Staates. Tucholsky reagierte mit Boykott. Er veröffentlichte nichts mehr und zog sich aus der Emigrantenszene in Schweden zurück, da er den Kampf gegen die mit Hitler sympathisierende Bevölkerungsmehrheit in Deutschland für aussichtslos hielt.

Als Emigrant in Schweden verfällt Tucholsky einer tiefen Verzweiflung an Deutschland. Da ihm seine wichtigste Einnahmequelle durch das Verbot seiner Bücher genommen wurde, geriet er in völlige Abhängigkeit von Hedwig Müller ( Freundin Tucholskys aus Zürich ). Außerdem untersagte man ihm jegliche politische Äußerung.

"Ich spüre täglich mehr: hätt ich Geld, und müßte ich nicht - ich schriebe nicht mehr. Für wen? Ich habe kein Mitteilungsbedürfnis mehr ". Völlig vereinsamt und isoliert wählte er schließlich den Freitod. Nach Einnahme von Gift starb Tucholsky am 21. Dezember an den Folgen seines Selbstmordversuches.

Nach 25 Jahren, in denen er mit seiner Literatur die Welt zu ändern versuchte, meinte er versagt zu haben.

verfasst von: Susanne Naumann


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