Arthur Schnitzler

„Wenn der Hass feige wird, geht er maskiert in die Gesellschaft und nennt sich Gerechtigkeit.“

Am 15. Mai 1862 wird Arthur Schnitzler als Sohn des jüdischen Kehlkopfspezialisten Johann Schnitzler und dessen Frau Louise in Wien geboren. Arthur Schnitzler verdankt seinem Vater die gesicherte Existenz der ersten Lebensjahrzehnte, sowie sein ärztliches Talent. Er, wie auch seine drei Geschwister, wuchs in gut behüteten Verhältnissen auf.
Die Beziehung zur Literatur entwickelte sich früh, doch ein Aspekt wurde in der Erziehung Arthurs vernachlässigt, der religiöse. Im Leben seiner Eltern spielte die Religion kaum eine Rolle, also auch nicht in dem des Sohnes. Für Arthur Schnitzler war das „Judesein“ lediglich eine Frage der Rasse, der er sich weder entziehen konnte noch wollte.


1871 besuchte er im Alter von neun Jahren das Akademische Gymnasium bis zu seiner Matura, die er 1879 mit Auszeichnung bestand. Noch im selben Jahr versuchte der Vater, der die dichterischen Betätigungen seines Sohnes im Burgtheater gefördert hatte, ihn in die Richtung Medizinjournalismus zu lenken. Arthur Schnitzler schreibt sich an der medizinischen Fakultät der Wiener Universität ein, erkennt aber bald, dass ihm seine „Professoren die Liebe zur Medizin nicht erwecken könnten“. Im Herbst 1883 muss er sich ein Jahr lang dem Militär verpflichten. In der Novelle „Leutnant Gustl“ legte er seine Kritik an der Haltung und dem Verhalten der Offiziere nieder. Durch die Erzählform des inneren Monologs stellt Schnitzler alle seelischen und äußeren Vorgänge aus der Erlebnis- und Bewusstseinsperspektive des Ich-Sprechers dar. Augenblickliche Gedanken, Erinnerungen und Empfindungen sind zwar logisch und chronologisch nicht strukturiert, jedoch vollkommen ausformuliert. Mit der Technik des inneren Monologs werden dem Leser so Einsichten offenbart, die ihm unter normalen Umständen nie zugänglich sind.

Seine Studienzeit neigte sich dem Ende entgegen und 1885 promovierte Schnitzler zum Doktor der Heilkunde. Noch im selben Jahr machte er die Bekanntschaft von Siegmund Freud, mit dem er das Interesse für das Un- und Unterbewusstsein teilte.
1886 bis 1888 arbeitete er als Assistenzarzt in verschiedenen Wiener Krankenhäusern, nachdem er bis 1893 als Assistent seines Vaters an dessen Poliklinik mitwirkte. Bereits als junger Arzt beklagte er schon den „ Wahn" der akademischen Jugend, den rassistischen Antisemitismus, der sich in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts ausbreitete Als Redakteur der medizinischen Wochenzeitschrift seines Vaters „Internationale klinische Rundschau“ verfasste Schnitzler eine Vielzahl von Beiträgen. Der Tod seines Vaters, der ihm anfangs sehr zu schaffen machte, stellte sich später als Erleichterung heraus. Er konnte so ungehindert aus der Poliklinik austreten. Er eröffnete eine Privatpraxis, die mit zunehmender literarischer Tätigkeit immer mehr eingeschränkt wurde.

Arthur Schnitzler erfährt 1897, dass seine langjährige Freundin Marie Reinhard ein Kind von ihm erwartet, welches sich nach mehrtägigen Wehen als Totgeburt herausstellt. Zwei Jahre später stirbt Marie und für einige Zeit schien das Leben Schnitzlers stillzustehen. Ein viertel Jahr später lernt er dann die achtzehnjährige Olga Gussmann kennen. 1900 war Olga schwanger, verlor jedoch das erwartete Kind. An seinem 39.Geburtstag notierte er in sein Tagebuch, dass sie „einander lieben und zerfleischen“. Trotz vieler Probleme stellt sich diese Beziehung als tiefste, längste und bedeutendste seines Lebens heraus.
Seine erste Monolognovelle „Leutnant Gustl“, mit der er den inneren Monolog als neue Ausdrucksform in die deutsche Literatur einführte, wurde nun veröffentlicht. Mit diesem Werk handelte sich Schnitzer viel Ärger ein. Ihm wurde vorgeworfen, das Ansehen und die Ehre der österreichisch- ungarischen Armee herabgesetzt zu haben. Der Rang des Reserveoffiziers wurde ihm aufgrund der Angriffe auf den Ehrenkodex des Militärs aberkannt.

In den darauf folgenden Jahren (bis 1930) schreibt Schnitzler zahlreiche Dramen, die sozialkritische und psychologische Themen behandeln. 1902 gebar Olga ihm einen Sohn, Heinrich, durch dessen Existenz er sein Privatleben neu gestaltete. Er tauschte den Egoismus des Junggesellendaseins gegen das Familienleben ein und heiratete Olga, auf deren Drängen hin, am 26.08.1903. Die Geburt seines zweiten Kindes, seiner Tochter Lili, bedeutet für ihn eine enorme seelische Bereicherung. Seine Mutter, die Schnitzler trotz aller Entfremdung liebte, starb 1911 im Alter von 74 Jahren.

1914 erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Schnitzler ist einer der wenigen österreichisch-ungarischen Intellektuellen, die schon zu Beginn des Ersten Weltkriegs die allgemeine Kriegsbegeisterung nicht teilten. Die Popularität seiner Werke ging deutlich zurück. Während des Krieges erhielt er einen Brief, der ihn darüber informierte, dass der Nobelpreis für Literatur zu gleichen Teilen an ihn und Altenberg fallen soll. Doch da man außer dem Krieg nichts anderes im Sinn hatte, wurde der Nobelpreis, der zum ersten Mal an Österreich fallen sollte, gar nicht vergeben.

Die Autobiographie, die er in seinem 53. Lebensjahr zu verfassen versuchte, wurde nie vollendet. Sie reicht über seine Jugendjahre nicht hinaus. („Jugend in Wien“)
In seinen Tagebüchern schreibt er ausführlich seine Träume nieder und reflektiert seine Ängste, Sorgen, Empfindungen und Depressionen.

Um seine Ehe stand es zu dieser Zeit schlecht, aber er brach sie nicht. Er verliebte sich in Stephi Bachrach, die zwei Jahre später Selbstmord beging. Nach Beendigung des Krieges ließ sich seine Frau Olga von ihm scheiden, um sich selbst als Künstlerin zu verwirklichen. Nach der Scheidung von seiner Frau, blieb Schnitzler das Heim, die Freunde, die Arbeit und die Kinder. Doch an der Trennung von seiner Frau litt er bis zu seinem Lebensende.
1924 verfasste er die zweite Monolognovelle „Fräulein Else“.

Mit siebzehn Jahren heiratete seine Tochter, die er über alles liebte, einen zwanzig Jahre älteren Italiener. Sie erschoss sich ein Jahr später, nachdem ihre Ehe scheiterte. Arthur Schnitzler isoliert sich zunehmend wegen psychischer und physischer Probleme, die aus der Scheidung, wie auch aus dem Tod seiner Tochter hervorrühren.
In seinen letzten Lebensjahren schreibt er den Roman „Therese. Chronik eines Frauenlebens“, in denen er Einzelschicksale um die Jahrhundertwende aus psychologischer Sicht darstellt.

Am 21. Oktober 1931 stirbt Arthur Schnitzler an den Folgen einer Gehirnblutung in Wien.
Anders als sein Zeitgenosse Hofmannsthal wurde er von den offiziellen Stellen kaum akzeptiert. Wegen seiner Skepsis, seiner Illusionslosigkeit und seiner scharfen Einsicht gegenüber der menschlichen Natur wurde er oft als ein Nihilist betrachtet. Leider bestätigten die Gräuel des Weltkriegs die Einsicht Schnitzlers.


Seine berühmtesten Werke

Anatol - 1889
Sterben - 1895
Liebelei - 1895
Freiwild - 1896
Reigen - 1896
Der grüne Kakadu - 1899
Leutnant Gustl - 1900
Professor Bernhardi - 1912
Casanovas Heimfahrt - 1918
Fräulein Else - 1924
Traumnovelle - 1926
Therese - 1928
Über Krieg und Frieden - 1939
Jugend in Wien - 1968

verfasst von: Franziska Riedel


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