Paul Celan

Kurzbiographie

Der am 23. November 1920 in Czernowitz -Rumänien- als Sohn einer deutschsprachigen jüdischen Familie geborene Paul Celan, machte schon in frühen Jahren Bekanntschaft mit dem europäischen Antisemitismus, der ihn bis zu seinem Tod nicht mehr losließ und prägend für sein Werk und seine Lebensweise war.


1934 musste er das Gymnasium in seiner Heimatstadt aufgrund zunehmender judenfeindlicher Übergriffe verlassen. 1938 studierte er Medizin in Frankreich, später Romanistik in Czernowitz. Drei Jahre später, als deutsche Truppen in Rumänien einmarschierten, wurde Celan zu Zwangsarbeit rekrutiert, seine Eltern wurden 1942 in das Vernichtungslager in Michailowka gebracht. Kurz darauf wurden sie hingerichtet.
Bis Kriegsende verbrachte Celan die Zeit ebenfalls in einem rumänischen Arbeitslager und erhielt danach Anstellung als Lektor und Übersetzer in Bukarest. Zu dieser Zeit veröffentlichte er erstmalig in Zusammenarbeit mit Rose Ausländer seine Gedichte .
1948 siedelte Paul Celan nach Paris über und studierte Germanistik und Sprachwissenschaft, wurde französischer Staatsbürger und arbeitete als Deutschlektor an der Pariser Universität.

1958 erhielt Celan den Literaturpreis der freien Hansestadt Bremen, 1960 den Georg-Büchner-Preis und 1964 den Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen.
Im Herbst 1969 reiste er nach Israel und kurz darauf, im April 1970 nahm er sich in Paris das Leben. Sein Selbstmord wird häufig als zwangsläufige Reaktion auf sein schweres Schicksal, mehrere nahestehende Verwandte durch den Holocaust zu verlieren, gesehen. Er wurde damit nicht fertig, als einer der wenigen Juden überlebt zu haben.


Zu seinen Werken

Das Schaffen Celans wurde stark vom französischen Surrealismus beeinflusst und beschäftigte sich mit den unmittelbaren Eindrücken, die der Krieg hinterließ, eingeschlossen der Judenvernichtung.

"Sind diese Gedichte noch sprechbar, nicht zu esoterisch, um mittelbar zu wirken, Hieroglyphen, die sich erst nach langem Betrachten enthüllen, Gedichte der vollkommenen Einsamkeit, hinter schalldichten Glasscheiben gesprochen, Gedichte ohne Zeit und Ton, schwarze Sprachlöcher, Wortalchemie?" Friedrich Dürrenmatt

Paul Celan wird als der Meister der hermetischen Dichtung gesehen, seine Gedichte sind in sich verschlossen und schwer zu interpretieren, seine Bildwelt undurchdringlich. Aber sie bergen eine faszinierende Welt voller Verzweiflung, Melancholie und Schwermut, genau wie der Dichter selbst, der seine Erlebnisse in seinen Gedichten zu verarbeiten sucht. Selbst schätzt er seine Dichtung "wirklichkeitswund und Wirklichkeit suchend" ein.

Das wohl bekannteste Gedicht Paul Celans ist die Todesfuge, die 1948 entstand und in dem 1952 erschienenen Gedichtband "Mohn und Gedächtnis" veröffentlicht wurde.


Interpretation

Eine Fuge ist eine nach strengen Regeln aufgebaute musikalische Kunstform, bei der das Thema nacheinander in verschiedenen Stimmen aufgeführt und dabei verkürzt oder erweitert wird. Auffallend an diesem Gedicht ist die Wiederholung bestimmter Bilder in jeweils anderer Zusammensetzung, die das Erschließen selbiger vereinfacht und neue Inhalte aufzeigt, aber auch Emotionen erzeugt.

Das Thema ist unschwer zu erkennen, die Judenvernichtung in einem Konzentrationslager der Nazizeit. Dieses Thema wird durch verschiedene Einzelbilder, z.B. dem der "Schwarze[n] Milch der Frühe", immer wieder aufgegriffen und neu zusammengestellt. Dadurch wird die Stimmung in diesem Vernichtungslager deutlich gemacht. Das Verb "trinken" hat in diesem Kontext ebenfalls eine wichtige Bedeutung. Es steht für das Sterben, das keiner verhindern kann. Durch die Aufzählung "morgens und mittags [...] abends" in Verbindung mit dem Tod wird auf die Tatsache, dass jener vor keiner Tageszeit zurückschreckt, aufmerksam gemacht.

Die Personenkonstellation ist leicht zu erschließen; zwei Gruppen gefangener Juden arbeiten für einen deutschen Mann, der offenbar willkürlich über den Zeitpunkt des Todes dieser Juden entscheidet. Anhand seiner Ausrufe "spielt süßer den Tod", oder "streicht dunkler die Geigen" kann man auf eine gewisse Genugtuung über den Tod der Juden auf der Seite des Mannes schließen.

Darüber hinaus wird Hoffnung auf Freiheit nach dem Tod ("ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng") unter den Juden deutlich. Sie sind sich ihrer aussichtslosen Situation bewusst ("er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau").
Auffällig sind die Bilder "goldenes Haar Margarete" und "aschenes Haar Sulamith", die wahrscheinlich eine Anspielung auf die Herkunft des deutschen Mannes und der Juden ist, ebenso aber auch eine Aussicht auf deren Schicksal.

Nicht nur inhaltlich, durch die Verdeutlichung unmittelbarer Kriegserlebnisse, sondern auch formal, durch die parataktische Satzstruktur, die sich auf Hauptsätze beschränkt und das Lebensgefühl des Autors in seiner Einfachheit verständlich widerspiegelt, ist dieses Gedicht in die Nachkriegsliteratur einzuordnen.


Weitere Werke (Lyrikbände)

1948 Der Sand aus den Urnen
1952 Mohn und Gedächtnis
1963 Die Niemandsrose
1967 Atemwende
1968 Fadensonnen
1970 Lichtzwang

verfasst von: Kristin Wadewitz


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