Lew Trotzki |
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Lew Dawidowitsch Trotzki ist in die sowjetische Geschichte als der größte Gegenspieler Stalins eingegangen, obwohl sich die Wege der beiden Männer in Wirklichkeit nur selten gekreuzt haben. Trotzki hatte sich im Kampf um die Parteiführung bereits ausmanövriert, bevor die entscheidende Phase in Stalins Machtaufstieg überhaupt begann. Jahrzehntelang wurde den Sowjetbürgern eingetrichtert, Trotzki sei eine Inkarnation des Bösen, und selbst nach Stalins Tod blieb seine politische Rehabilitierung noch lange undenkbar. Auch in der Glasnost-Ära blieben seine Person und seine historische Rolle sehr umstritten. Die folgende Kurzbiografie stellt sein schwieriges Leben dar: |
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Die sozialpolitische Einstellung Trotzkis
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Vor der Gründung des "Südrussischen Arbeiterbundes" stand Trotzki hauptsächlich populistischen, liberalen Ideen nahe. Zu dieser Zeit waren seine Anschauungen noch weit von marxistischen Ideen entfernt. Dazu sagte er nach der Oktoberevolution: "Im Jahre 96 und Anfang 97 hielt ich mich für einen Gegner von Marx, dessen Bücher ich allerdings nicht gelesen habe." Er verhielt sich zum größten Teil gleichgültig gegenüber der Theorie des Marxismus, wehrte sich nur gegen Unterdrückung durch die bestehende Zarenherrschaft und gegen das aristokratische System. Diese ungefestigten wagen Ideen änderten sich schlagartig während seines ersten Gefängnisaufenthalts (1898). Dort beschäftigte er sich intensiv mit der marxistischen Theorie und übernahm sozialistische Grundhaltungen. Nach den Worten von Siw (ein im gleichen Fall Verurteilter) wurde Trotzki in dieser Zeit zu "einem genauso entschlossenen und geradlinigen Marxisten, wie er vorher Gegner des Marxismus war." Diese Einstellung wurde kurze Zeit später durch Lenin noch vertieft. Im Exil als Journalist im Dienste Lenins tätig, wurde er mit der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands bekannt. Die Auffassung dieser Partei stimmte oberflächlich mit seinen eigenen überein, sodass er schnell an Parteitagen teilnahm. Als sich die SDAPR (Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands) auf ihrem zweiten Kongress in Bolschewiki (Mehrheitler) und Menschewiki (Minderheitler) spaltete, schloss sich Trotzki zunächst den Bolschewiki an. Diese waren der Auffassung, dass die Partei streng zentralistisch im Untergrund agieren solle. Die Menschewiken jedoch hatten den Grundsatz, dass die Partei eine lockere Zusammenfassung aller teilnehmenden Kräfte sein solle. |
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Der Jude Trotzki
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Die jüdische Herkunft Trotzkis, ein Umstand, der im zaristischen Russland für viele unüberwindliche Schwierigkeiten mit sich brachte, wirkte sich für Trotzki zunächst nicht negativ aus. Der Vater versuchte nie, seine Kinder in die kleine Welt des Schtetl einzuschließen. Auf der anderen Seite war die Familie Bronstein äußerlich sehr fromm, sie fuhren an hohen Feiertagen regelmäßig meilenweit, um die Synagoge zu besuchen. Am Sabbat wurde nicht gearbeitet, ja man weigerte sich sogar das eigene kranke Kind zum Arzt zu fahren. In dieser Familie war es einfach selbstverständlich an Gott zu glauben. |
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