Joseph Süß-Oppenheimer

1. Zur historischen Person

Joseph Süß-Oppenheimer, genannt Jud Süß, wurde 1692 oder 1698/99 in Heidelberg als Sohn des Süßkind Oppenheimer aus dessen zweiter Ehe mit Michele Chasan, die noch einen weiteren Sohn und eine Tochter mit ihm hatte, geboren. Die Familie Oppenheimer war damals unter den Juden sehr angesehen und stammte aus der Stadt Oppenheim. Süß war Geschäftsmann und erwarb ein großes Vermögen, er war seit 1733 "Hofjude" des Herzogs Karl Alexander in Württemberg, der ihn zum Geheimrat ernannte. Er erschloss dem Herzog, der von der Steuerbewilligung durch die Stände unabhängig werden wollte, neue Geldquellen, indem er Monopole, Ämterhandel und Münzverschlechterung einführte. Doch nach dem Tod des Herzogs wurde er in einem von der Beamtenschaft und Landständen betriebenen anfechtbaren Verfahren zum Tode verurteilt und am 4.2. 1738 hingerichtet. Vor seinem Tode legte er ein standhaftes Bekenntnis für seine Zugehörigkeit zur jüdischen Religion ab.


Joseph Süßkind Oppenheimer Jud Süß genannt (zeitgenössischer Stich)

2.Bearbeitung durch Lion Feuchtwanger

Lion Feuchtwanger wurde am 7.7.1884 in München geboren. Er stammte aus dem jüdischen, noch orthodox geprägten, Großbürgertum Münchens und gewann zunächst als Theaterkritiker Erfolg. Feuchtwanger war einer der ersten deutschen Autoren, die vor patriotischer Hysterie warnten - in Essays und Bearbeitungen von Dramen der Weltliteratur wie "Die Perser"
(1917) und "Friede. Ein burleskes Spiel". Seit der Umsiedlung in die Metropole Berlin zählte Feuchtwanger zu den Repräsentanten fortschrittlicher Literatur in der Weimarer Republik. Seine Stoffe wählte er aus der Gegenwart und aus dem 18. Jahrhundert, der Epoche von bürgerlicher Aufklärung und Revolution, aus der Antike und aus der Geschichte der Judenheit. Gerade die Juden als das "Volk des Buches" sind zu Sachverwaltern des "Geistes" berufen. Mit dem Welterfolg des Romans "Jud Süß" (1925), einer Bearbeitung seines früheren Jud Süß-Dramas (1918), fand er für sich den Typus des "historischen Romans". In ihm beschreibt er das Schicksal des Hoflieferanten Süß-Oppenheimer, seinem steilen Aufstieg im Württemberg des 18. Jahrhundert und seinen Sturz. Hiermit entdeckte er das Modell für das Dasein eines jüdischen Staatsmannes, den eine Gier nach Anerkennung und Erfolg auszeichnet, das er ursprünglich in einem Roman um Walther Rathenau schildern wollte. Später widmete sich der prominente Feuchtwanger dem Kampf gegen den Nationalsozialismus und war Mitherausgeber der Moskauer Exilzeitschrift "Das Wort".


Lion Feuchtwanger

3. Bearbeitung durch Wilhelm Hauff

Der vielseitige Erzähler Wilhelm Hauff wurde am 29. November 1802 in Stuttgart geboren. Er studierte zunächst Theologie und Philosophie in Tübingen, arbeitete dann als Hauslehrer und schließlich als Redakteur von Cottas Morgenblatt. Seinen größten literarischen Erfolg erzielte Hauff mit dem Buch Lichtenstein (1826), mit dem er den historischen Roman in Deutschland begründete. Wirklich bekannt aber wurde er durch seine Märchen, die in drei Almanachen 1826, 1827 und 1828 erschienen, und durch seine Lieder, die sich zu Volksliedern entwickelten. Im Jahr der Eheschließung mit seiner Cousine Louise Hauff veröffentlichte er die Novelle "Jud Süß". In seinen Erzählungen verbindet er romantisch-phantastische Elemente mit realistischen und zeitkritischen sowie satirischen Zügen. Es ging ihm allerdings nicht nur darum, seine Zeit kritisch zu beleuchten, sondern er wollte seine Leser auch unterhalten. Der Dichter starb - erst 24jährig - am 18. November 1827 in seiner Heimatstadt.

verfasst von: Stefan Frenzel


Wilhelm Hauff

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