Regina Jonas

Regina Jonas - die weltweit erste Rabbinerin

Auf Spuren ihres Lebens stoßen wir in ihrem bescheidenen Nachlass, der heute im Archiv der Stiftung „Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“ lagert. Nicht einmal das größte jüdische Lexikon (Encyclopaedia Judaica) erwähnt sie.
So wird immer wieder die 1972 ordinierte Sally Priesans als die erste Frau im Rabbinat zitiert.

Ich hoffe trotzdem, im folgenden Bericht einen Einblick in das Leben von Regina Jonas geben zu können.


Kindheit/Jugend

geboren am 3. August 1902 in Berlin
Tochter des Kaufmanns Wolf Jonas (1913 verstorben) und seiner Frau Sara, geb. Hess; Bruder Abraham
wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf
Elternhaus soll „streng religiös“ gewesen sein
März 1924 Lehrbefähigung für Lyzeen (höhere Schulen für Mädchen); danach am Öffentlichen Oberlyzeum zu Berlin – Weißensee
schrieb sich an der liberalen Hochschule für die Wissenschaft des Judentums ein, mit dem Ziel der Ordination zur Rabbinerin

Studium / Der Weg zur Rabbinerin

am 22. Juli 1930 bestand sie die mündliche Schlussprüfung beim damals führenden rabbinischen Repräsentanten des deutschen Judentums und bei mehreren Professoren, unter anderem bei Eduard Baneth
bei Baneth hatte sie zuvor eine umfangreiche schriftliche Prüfungsarbeit eingereicht, mit dem provozierendem Titel „Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?“
er bewertete die Arbeit mit „Gut“, hatte die Absicht, seiner Schülerin die Ordination zu erteilen
sein plötzlicher Tod vereitelte, dass Regina Jonas ihr Studium mit dem Rabbinatsdiplom abschließen konnte, (ihr Zeugnis weist sie „nur“ als akademisch geprüfte Religionslehrerin aus)
am 12. Dezember 1930 war die Zeugnisausstellung, an diesem Tag unterzog sie sich noch einer weiteren mündlichen Prüfung
fünf Monate später bescheinigte ihr dann noch Leo Baeck , sich in einer Reihe von Übungspredigten erwiesen zu haben

Dies alles legt nahe, dass Regina Jonas unbeirrt an ihrem Berufswunsch festhielt und ihre Qualifikation durch zusätzliche Belege zu beweisen versuchte.
Nach zähem Ringen erhielt sie am 27. Dezember 1935 – erst fünfeinhalb Jahre nach Abschluss ihres zwölfsemestrigen rabbinischen Studiums und dreieinhalb Monate nach Verabschiedung der Nürnberger Rassengesetze durch den Reichstag – vom liberalen Offenbacher Rabbiner Dr. Max Dienemann die Ordinationsurkunde.


Ringen um Anerkennung als Rabbinerin

Auch nach ihrer Ordination von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin seit dem 1. August 1937 wurde sie lediglich als Religionslehrerin beschäftigt. Sie durfte die „rabbinisch-seelsorgerische Betreuung“ in den Altersheimen, im Krankenhaus und in städtischen Einrichtungen übernehmen.
Unter anderem hielt sie Ansprachen und gestaltete religiöse Feste und Feiern in der Neuen Synagoge (sowie auch in anderen Synagogen), dieses jedoch nur in dem der eigentlichen Synagoge vorgelagerten Trausaal.
Ab 1938 vertrat Regina Jonas immer häufiger Gemeinderabbiner. Aber erst am 26. Januar 1942 bat die Jüdische Kultusvereinigung zu Berlin sie um die Übersendung der Zeugnisse ihrer rabbinischen Ausbildung.


Deportation/Tod

Bis zu ihrer eigenen Deportation nach Theresienstadt am 6. November 1942 wirkte sie weiter als Rabbinerin, und auch im Konzentrationslager setzte sie ihre Arbeit fort.
Am 12. Oktober 1944 wurde Regina Jonas nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.


Verdienste

Sie wollte berühren und wachrütteln, aufrichten, Trost spenden, belehren und jüdischen Lebenssinn (zurück)geben. Durch ihre zahlreichen Predigten erreichte sie die Herzen der Menschen. Sie strebte danach, die Suchenden und Enttäuschten wieder in den jüdischen Überlieferungszusammenhang einzubinden.
„Ich kam zu meinem Beruf aus dem religiösen Gefühl, dass Gott keinen Menschen unterdrückt, dass also der Mann nicht die Frau beherrscht ... vom Gedanken der letzten und restlosen geistigen, seelischen, sittlichen Gleichberechtigung beider Geschlechter...“
Regina Jonas sah ihren Platz an der Seite ihrer männlichen Amtskollegen. „Die Welt besteht nun einmal durch Gott aus zwei Geschlechtern und kann nicht auf die Dauer nur von einem Geschlecht gefördert werden.“
Nicht Gleichartigkeit von Frau und Mann, sondern die Gleichwertigkeit in unterschiedlicher Funktionalität war die Devise von Regina Jonas.
Heute gibt es weltweit 200 Rabbinerinnen, die meisten in USA, Israel und Großbritannien.

verfasst von: Cornelia Rudelt



Quellenangabe:
http://www.berlin-judentum.de/rabbiner/jonas.htm
(„Regina Jonas“ von Rachel Monika Herweg)

http://www.berlin-judentum.de/rabbiner/jonas-regina.htm
(„Regina Jonas - zwischen Tradition und Aufbruch“ von Iris Weiss)


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