Vortrag von Ignatz Bubis 1999 |
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Er habe auf einen Sprachfehler seines prominenten Gastes spekuliert, sagte der Lehrer Michael Höhme verschmitzt. Ignatz Bubis könne nicht "Nein" sagen, war in der Autobiographie zu lesen. "Nein" sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland dann auch nicht, sondern er folgte am Freitag nachmittag einer Einladung ins Döbelner Lessing-Gymnasium, um in der vollbesetzten Aula die Jugend zu Toleranz aufzurufen. |
Ignatz Bubis bei seinem Vortrag in der Aula des Lessing-Gymnasiums am 19. März 1999 |
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Michael Höhme hatte dieses Angebot erarbeitet, Exkursionen organisiert und schließlich Ignatz Bubis nach Döbeln eingeladen. "Und da ich einen freien Nachmittag ´hatte, bin ich gekommen. Heute früh war ich in Radebeul, jetzt fahre ich weiter nach Hoyerswerda", sagte Bubis. |
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Warum er nicht müde werde, die Deutschen an die dunklen Kapitel ihrer Geschichte zu erinnern, wurde Bubis gefragt. "Weil wir aus der Geschichte lernen müssen. Es geht mir nicht um Schuldzuweisungen, denn Schuld ist immer etwas persönliches. Aber die Geschichte eines Volkes ist unteilbar. Die Deutschen dürfen sich nicht nur an die g´uten Seiten ihrer Geschichte erinnern, an Goethe, Schiller oder Lessing. Sie müssen auch aus den schlechten Seiten lernen." Gerade die jungen Menschen müßten sich der Geschichte stellen: "Denn sie werden die Entscheidungen in dieser Demokratie einmal mitbestimmen, und da müssen sie auch wissen, was Menschen Menschen antun können", mahnte Bubis die Gymnasiasten. |
Ignatz Bubis |
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Vorurteile und Verallgemeinerungen wären die schlimmsten Grundübel unserer Zeit. "Die Mehrheit der deutschen Gesellschaft sieht in dem Juden einen Fremden, Ausländer. Das ist eine große Belastung, denn es gibt kein Mit-, sondern ein Nebeneinander. Deutsche erwarten von anderen immer, daß sie genauso sind wie sie selbst. Warum kann man den anderen nicht ihre Kultur lassen?" Bubis forderte die Schüler auf, Menschen nicht nach ihrer Herkunft oder Religion in "Kästchen" einzusortieren, denn "Am Ende sind alle Menschen gleich." |
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Den aufkommenden Rechtsextremismus sieht Bubis nicht als deutsches Problem. "Dieses Potential ist ein europäisches Potential, in Deutschland ist es aus historischen Gründen vielleicht noch nicht einmal so groß wie in anderen Ländern. Am Ende muß eine Demokratie das ertragen und damit leben können." Schlimm werde es, wenn rechtsextreme Gruppierungen an der Macht beteiligt würden. "Die Folgen davon hat Deutschland schon erlebt. In dem Moment, in dem sich das wiederholt, werde ich von hier verschwinden." |
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