Neue Synagoge Dresden

Geschichte der jüdischen Gemeinde Dresden

Die jüdische Gemeinde Dresdens bestand 1933 aus über 5000 Mitgliedern. Durch die Geschehnisse der NS-Zeit reduzierte sich ihre Zahl auf 41 Mitglieder (Stand 1945). Ihre alte, von Gottfried Semper gebaute Synagoge wurde im Zuge der Reichspogromnacht am 9./10.11.1938 zerstört. 1950 wurde das Gebetshaus auf dem Friedhof in der Friedrichstraße zu einer Synagoge umgebaut, um der Gemeinde ein neues Domizil zu geben. 1996 erfolgte schließlich ein Aufruf des neu gegründeten Förderkreises zum Bau einer neuen Synagoge. Diese wurde 2001 fertig gestellt. Ein Überbleibsel der Semper-Synagoge ist der goldene Stern , der sich in der neuen Synagoge im Eingang befindet. Dieser Stern wurde während des Zweiten Weltkrieges versteckt, und der Gemeinde 1950 von Herrn Neugebauer wieder übergeben. Ein weiteres Segment der alten Synagoge ist der auf dem Vorhof am Rathenauplatz durch eine Glasfläche gekennzeichnete Grundriss.


Die neue Synagoge

Die Architekten Wandel, Höfer, Lorch und Hirsch hatten es sich zum Ziel gemacht mit einem "konsequent minimalistischen" Baustil eine neue und moderne Synagoge zu errichten, in der die Mitglieder der Gemeinde in Ruhe ihrem Glauben nachgehen können. Die Bauhöhe, sowie das Material (Betonformstein mit Sandsteinpartikeln) wurde den Wünschen der Dresdner Bevölkerung angepasst, um deren Vorstellungen vom Stadtbild gerecht zu werden. Die jüdische Gemeinde vertritt eine liberale Auffassung, und möchte demzufolge auch ihre Synagoge allen Menschen öffnen. Um dies nach Außen hin zu zeigen, haben sie über der Eingangstür den Schriftzug "ein Haus allen Völkern" einarbeiten lassen. Aber sie postulieren ihre Liberalität nicht nur, sondern sie leben sie auch. Dies zeigt sich zum Beispiel darin, dass alle Gottesdienste in Hebräisch gehalten werden, und es so auch Nichtdeutschen ermöglicht wird dem Geschehen zu folgen. Allerdings werden aktuelle Themen in Deutsch besprochen. Desweiteren werden einige Gottesdienste mit der Orgel oder mit dem Frauenchor begleitet.


Ein kleiner Rundgang

Der Vorhof ist durch eine hohe Mauer von dem Lärm des Alltages abgeschottet, und bietet so die Ruhe, die für eine Synagoge nötig ist. Auf dem Hof findet man zum einen Erinnerungen an die alte Synagoge und zum anderen Denkmäler, die an die 5 - 6 Millionen Opfer des Holocausts erinnern. Im Inneren ist die Synagoge so aufgebaut wie fast alle Synagogen. Es gibt eine Bima, den Toraschrein, Bänke auf zwei Etagen, und die Gebetsrichtung gen Osten. Aber die neue Synagoge birgt auch einige Besonderheiten. Das erste was sofort auffällt, sind die gewebten Bahnen. Dieses drei Tonnen schwere Zelt , dient als Raumteiler, und wirkt wie ein zweites Dach innerhalb des Hauses. Mit diesem Element, wollten die Architekten zum einen die Sesshaftigkeit der jüdischen Gemeinde verdeutlichen, und zum anderen an die Stiftszelt in altisraelitischer Zeit erinnern. Desweiteren sorgen diese Bahnen gemeinsam mit dem perforierten Holz der Bänke sowie der Wandverkleidung für einen weichen Schall, der die Predigten akustisch unterstützt. Zusätzlich zu der Bima, auf der nur aus der Tora gelesen werden darf, gibt es ein kleineres Lesepult für die normalen Bücher. Auch ist es erwähnenswert, dass sich in der Synagoge eine Orgel befindet, was als Zeichen für die Liberalität der Gemeinde verstanden werden kann. Beim Betreten der Synagoge hat man das Gefühl, dass die Zeit stehen bleibt. Die spartanisch von der Decke herabhängenden Stahlseillampen, sowie die gewebten Bahnen , welche das Licht von außen hindurchscheinen lassen, füllen den Raum mit Transparenz und Leichtigkeit.

Über dem Toraschrein sind in Gold die zehn Gebote in Hebräisch eingearbeitet, und werden von dem ewigen Licht, was aus der alten Synagoge gerettet wurde, angestrahlt. In der Innentür des Toraschreins wurden mit Blattgold die "Löwen von Juda" eingearbeitet, damit sie die fünf Torarollen der Gemeinde bewachen.

verfasst und fotographiert von: Kristin Pohl


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