"So viele Menschen retten wie möglich"

Biografie

Am 4.August 1912 wurde Raoul Wallenberg in einer prominenten schwedische Familie geboren (seine Familie bestand aus Bankiers, Diplomaten und Offizieren). Sein Vater, welcher noch vor seiner Geburt an Krebs starb, war Offizier in der schwedischen Marine. Raoul Wallenberg wuchs im Hause seines Stiefvaters, Frederik von Dardel, auf.
1935 schaffte er den Abschluss des Architekturstudiums in Michigan, USA. Er verlegte sich jedoch auf das Bankwesen und den internationalen Handel Daraufhin wurde er Auslandsvertreter einer europäischen Handelsfirma.

1944 nahm Wallenberg das Angebot des "United States War Refugee Boards" an, die Situation der ungarischen Juden in Budapest zu beobachten. Er reiste also als Gesandter des schwedischen Außenministeriums nach Ungarn. Seine Ankunft in Budapest war am 9.Juli. In Budapest konnte Wallenberg mindestens 110 000 ungarische Juden vor der Deportation in die Konzentrationslager retten.

1945, nach der Befreiung Ungarns durch die sowjetischen Truppen, wurde Wallenberg in Budapest gefangen genommen. Wallenberg ist seit dem 17.Januar 1945 verschollen. Über seinen Verbleib gibt es nur widersprüchliche Angaben.


Mögliche Todesvarianten

Die Sowjets behaupteten zunächst, Wallenberg sei auf der Straße ermordet worden, doch wenig später hieß es, er befinde sich unter dem Schutz der sowjetischen Truppen. Weiter hieß es, er sei im Moskauer Lubjanka-Gefängnis an einem Herzinfarkt gestorben, dann wieder, dass er 1947 vom sowjetischen Geheimdienst erschossen worden sei. Später tauchten Zeugen auf, die Wallenberg auch nach 1947 noch gesehen haben wollen. Err soll erst 1989 in einer psychiatrischen Klinik bei Moskau verstorben sein. In diesem Jahr ist die Familie von Raoul Wallenberg aufgefordert worden, seine persönlichen Gegenstände abzuholen.

Doch eindeutige Beweise gibt es nicht, da alle wesentlichen Akten vernichtet oder zensiert sind.


Wallenbergs Rettung ungarischer Juden

Budapest im März 1944: die deutsche Wehrmacht hat die Stadt besetzt und die Deportation der jüdischen Bevölkerung Ungarns angeordnet (organisiert von Adolf Eichmann und einer ihm unterstellte Sonderabteilung zusammen mit den ungarischen Behörden). 435 000 ungarische Juden werden bis Juli in NS-Vernichtungslager verschleppt.


Zu diesem Zeitpunkt startet ein ungewöhnlicher Mann eine ungewöhnliche Mission.
Das schwedische Außenministerium schickte Raoul Wallenberg im Juli 1944 nach Budapest, um eine Hilfsaktion für über 200 000 Juden zu unterstützen. Ihre Hilfsoperation für die verfolgten Juden startete die schwedische Gesandtschaft kurz nach der deutschen Besetzung Ungarns am 19.März 1944. Der schwedische Außenminister, Ivan Danielsson, regte die Ausgabe von schwedischen Pässen an ungarische Juden an, die durch familiäre oder geschäftliche Beziehungen mit schwedischen Bürgern verbunden waren.

Als Wallenberg in Budapest ankam, waren schon mehrere hundert solcher "Schutzpässe" ausgegeben worden, diese Schutzaktion wurde von Wallenberg fortgeführt.
Wallenberg engagierte sich mit mutigen Rettungsunternehmungen. Drei Monate lang gab er Tausende von "Schutzpässen" aus. Und als Eichmann die Todesmärsche tausender Juden zur österreichischen Grenze organisierte, begleitete Wallenberg den Konvoi. Er erwirkte die Freilassung hunderter Inhaber schwedischer Pässe und brachte sie nach Budapest zurück. Es gelang ihm sogar, Menschen aus den Zügen nach Auschwitz zu holen oder sie vom mörderischen Arbeitsdienst zu befreien.

In über 30 Schutzhäusern (die 15 000 Personen unterbringen konnten) brachte er die Notleidenden unter. Er sorgte für die Verpflegung und ärztliche Betreuung. Raoul Wallenbergs Verhalten wurde von den Vertretern anderer neutraler Staaten nachgeahmt.


Würdigungen

Das Engagement Raoul Wallenbergs ist weltweit unvergessen. Er ist Ehrenbürger in den USA, Kanada und Israel. 1995 wurde ihm der Menschenrechtspreis des Europarates verliehen, in Belgien ist er Ehrendoktor, Albert Einstein hat ihn für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.Denkmäler, Straßen, Plätze und Schulen tragen seinen Namen.

verfasst von: Cornelia Rudelt


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