Josef Mengele

Dr. phil. Dr. med. Josef Mengele war ursprünglich kein Monster, dessen Forschung von Anbeginn abzulehnen gewesen wäre. Jedoch stehen am Ende seines Wirkens als KL - Arzt und Wissenschaftler 2.000 Menschen, die er im Verlaufe seiner so- genannten medizinischen Zwillingsforschung bestialisch selbst mordete oder durch Gas töten ließ. Außerdem ist er als Selektionsarzt für die Tötung weiterer 2 Millionen Menschen verantwortlich.


Josef Mengele stammt aus einer angesehenen und alteingesessenen pietistischen Industriellenfamilie in Günzburg/Bayern. Als späterer überzeugter Vertreter der nationalsozialistischen Weltanschauung trat er 1932 der nationalistischen Organisation "Der Stahlhelm" bei. 1934 wechselte er zur SA, 1937 bewarb er sich um die Mitgliedschaft in der NSDAP, 1939 trat er in die SS ein. Er studierte in München, Bonn, Frankfurt/Main und in Wien und promovierte 1935 am Anthropologischen Institut der philosophischen Fakultät der Universität München mit einer naturwissenschaftlichen Arbeit.


Bevor sich Mengele freiwillig im KL Auschwitz meldete, um seine Forschung für eine Habilitation fortzusetzen, ging er 1942 an das Anthropologische Institut des Berliner Kaiser-Wilhelm-Instituts, wo er an Daten über Zigeuner-Zwillingspaare arbeitete. Ab Mai 1943 war Mengele Assistent von Verschuer und wurde im Stammlager 1 von Auschwitz verantwortlicher Arzt. Zu bemerken ist, dass Mengele nur begrenzte Erfahrungen als Medizinalassistent in den nicht-theoretischen Fächern sammeln konnte.


Opfer Mengeles

Um so schlimmer wirkte sich sein Dilettantismus auf die Gesundheit der Auschwitzer Häftlinge aus: Hodenausschälungen, Eilleiterdurchtrennungen und Eierstockresektionen.
Mengeles eigentlicher Arbeitsschwerpunkt bestand jedoch in der Zwillingsforschung, in die er sich mit immer fanatisch werdender Grausamkeit steigerte. Der wahrscheinliche Zweck seiner "Studien" war eine vollständige und verlässliche Bestimmung der Vererbung beim Menschen. Dazu bot das Konzentrationslager die denkbar besten Voraussetzungen.


Unter Fortfall jeglicher Moral und Ethik konnte er alle hier eingelieferten Zwillingspaare unter den gleichen Lebensbedingungen beobachten und seine Experimente ausführen. Diese Menschenversuche bestanden unter anderem darin, dass er Kindern bei vollem Bewusstsein, Injektionen mit Typhusbakterien in die Venen oder Farblösung in die Pupillen spritzte, ihre Schädel öffnete oder kleine Kinder mit ihren Körpern aneinander nähte.

Aber Mengele konnte auch "gütig" sein und die Opfer bei bester Gesundheit in den Gastod schicken, um erst danach aus ihren Körpern Organe, Präparate oder Blutproben zu entnehmen. Andere "Forschungsgebiete" waren die Untersuchung Zwergwüchsiger als exemplarischer Ausdruck des "Abnormen" und ein durch völlig körperliche und seelische Erschöpfung entstehendes brandiges Absterben der Wangen (Noma), das er aus einer Anlage der Rasse zu begründen suchte.


Die Gebäude, in denen Mengele arbeitete wurden 1944 vor dem Abzug der SS gesprengt.

Bis kurz vor der Evakuierung des Lagers Auschwitz war Mengele tätig, kehrte danach nach Bayern zurück, wo er sich ungehindert von der Justiz mit dem Aufbau der Landmaschinenfabrik Carl Mengele und Söhne beschäftigte. Als der Verfolgungsdruck wuchs, setzte er sich nach Südamerika ab, wo er vermutlich bei einem Badeunfall 1979 in Brasilien ums Leben kam.

verfasst von: Susann Gasse


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