Ghetto |
||
Im Vorfeld der Kreuzzüge untersagte das 3. Laterankonzil 1179 das Zusammenleben zwischen Christen und Juden. Die Juden wurden abgesondert und damit der Gegensatz zwischen ihnen und den christlichen Grundlagen von Staat und Gesellschaft herausgestellt. Obwohl das Baseler Konzil 1434 den Verweis der Juden in eigene Viertel wiederholte, sind die Vorschriften auch dann in einzelnen deutschen Städten unterschiedlich gehandhabt worden. Allgemein setzte sich das den Juden zwangsweise zugewiesene Wohnviertel im 15. Jahrhundert durch. Abends wurde es verschlossen, so dass die Bewohner nur tagsüber freien Zugang zu den übrigen Stadtbezirken hatten. Die Bezeichnung Ghetto stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde erstmals in Venedig benutzt. |
Judengasse Stadtplan Frankfurt a. M. mit der Judengasse. Kupferstich von Merian, 1624. |
|
In Deutschland setzten sich die Begriffe "Judengasse" und "Judenstadt" durch. In den meisten Städten war das Judenviertel ursprünglich nahe der Domfreiheit, der Burg oder des Marktes angesiedelt. Später wurde den Juden das Wohnen nur am Stadtrand erlaubt, manchmal durften sie sogar nur außerhalb der Stadt wohnen. |
||
Das Ghetto in Frankfurt am Main
|
||
Gemäß den Beschlüssen des Laterankonzils von 1215 und des Konzils von Basel (1431-1449) hatte Kaiser Friedrich III. die Entfernung aller Juden aus ihren Häusern in der Frankfurter Domgegend angeordnet. Die Patrizier der Stadt weigerten sich aber, die Juden auszuweisen. Nach langem Zögern und gegen den Widerstand der Juden führte die Stadt 1462 den kaiserlichen Befehl aus. Am Wollgraben gegenüber der Stadtmauer, wurde nun eine zweite Mauer gebaut. Dazwischen entstand eine knapp 300 Meterlange enge Gasse. Sie war begrenzt von drei Toren, die nur tagsüber geöffnet wurden. In dieser Gasse lebte die jüdische Gemeinde bis zum Einmarsch Napoleons mit all ihren Einrichtungen. Hier lebten die armen Familien und die reichen. Es war ein kleines Universum, in zwei gegenüberliegenden Häuserreihen. Im dem Gewirr der Häuser entwickelte sich ein wohlgeordnetes, vielfältiges und intensives Gemeindeleben mit Lehrhaus, Festhaus, zwei Herbergen, Backhaus, Spital, öffentlichem Bad und einer Synagoge. Es war eine kleine aber wohlhabende Gemeinde. |
Überfall auf das Ghetto in Frankfurt a.M. 1614 |
|
Im 16. Jahrhundert wurde sie durch ihre Gelehrten weit bekannt und trat die Nachfolge der mittelalterlichen jüdischen Zentren am Rhein an. Die "Judengasse" wurde zum Mittelpunkt jüdischen Lebens in Deutschland, zu einem Versammlungsort der Gemeindevorsteher aus dem ganzen Reich. In der Gasse selbst lebten 1463 110 registrierte Personen, 1520 waren es 250, 1580 bereits 1200 und 1610 stieg die Zahl auf 2270. |
||
(C) LGD 2010 - Alle Rechte vorbehalten |
||