Unter Persern und Griechen

Bereits 50 Jahre nach der Deportation von 10 000 Juden aus Judäa nach Babylon (Babylonisches Exil) eroberte der Perserkönig Cyros 538 v. Chr. das Babylonische Reich. Cyros veröffentlichte bald ein Dekret, welches den verbannten Juden erlaubte in ihre Heimat zurückzukehren. Jedoch nahmen nur wenige diese Gelegenheit wahr, da viele Babylon als ihre neue Heimat angenommen hatten und ihr angenehmes Leben, erreicht durch einträgliches Geschäftsleben, nicht aufgeben wollten.

Es kam zu mehreren Auswanderungswellen, die erste unter Führung Scheschbazzars und die weiteren unter Führung Serubabels. Die Zurückgebliebenen gaben ihrem Glauben an den Neuaufbau eines jüdischen Nationalstaates in Form von Gold-, Silber- und Lasttierspenden Ausdruck. Die Ankunft und das Einleben der Zurückgekehrten gestaltete sich nicht so einfach, wie gedacht. Die persische Provinzverwaltung verhielt sich misstrauisch gegenüber dem begonnenen Wiederaufbau des Tempels durch die Einwanderer.


Esra liest aus der Tora. Wandmalerei aus der Synagoge in Dura Europos am Euphrat, 3. Jh. n.d.Z., heute im Nationalmuseum Damaskus.

Die Samariter (= Nachkommen, der von den Persern nicht verschleppten Israeliten, welche sich mit fremden Ansiedlern vermengt hatten) boten ihre Hilfe beim Wiederaufbau des Tempels an, diese wurde aber mit der Begründung, dass die Samariter keine "echten Juden" wären, abgelehnt. So kam es zu einem vorerst endgültigen Bruch zwischen den Samaritern und dem jüdischen Volk.

Durch vielfältige Probleme zog sich der Tempelbau über lange Zeit hin. Erst 516 v. Chr. unter dem Perser Darius I. konnte der 2. Tempel eingeweiht werden, welcher jedoch von König Herodes später durch einen Prachtbau ersetzt wurde. Aber es ergaben sich weitere Schwierigkeiten für die Neuansiedler auf religiöser und gesellschaftlicher Ebene durch Mischehen mit Heiden sowie auf wirtschaftlicher Ebene durch Abhängigkeit breiter Gesellschaftsgruppen von reichen Landbesitzern.

Esra, "ein Schriftsteller, kundig im Gesetz des Mose, richtet sein Herz darauf, das Gesetz des Herrn zu erforschen und danach zu tun." Mit der Einwanderung Esras, eines Gelehrten und Kenners der jüdischen Gesetze, und wenig später auch Nehemias, welcher unter König Artaxerxes I. neuer Statthalter Judäas wurde, lösten sich allmählich die verschiedenen Probleme.

Man wollte das jüdische Volk ermutigen und zu Gott zurückführen. Das Gesetz Moses wurde zum bindenden Gesetz des Gemeinwesens. Das Amt des Hohepriesters wurde geschaffen, der von nun an das religiöse Oberhaupt der jüdischen Bevölkerung Judäas war und auch politische Aufträge besaß. Die Perser zeigten sich ihren unterworfenen Völkern gegenüber tolerant und betrieben eine Politik der Versöhnung und Befriedigung. Im Jahre 333 v. Chr. schlug Alexander der Große den Perserkönig in der Schlacht bei Issos. Die persische Weltmacht war besiegt. Alexander der Große zog nach Ägypten und besetzte dabei auch Judäa.


Die Juden akzeptierten ihren neuen Herrscher und stellten ihm keinen Widerstand entgegen. Sie durften weiterhin nach ihren Gesetzen leben und sie erhielten Steuerfreiheit in den Sabbatjahren(= jedes siebente Jahr).
Jedoch schon 10 Jahre nach diesem Machtwechsel starb Alexander der Große und seine vier Nachfolger, auch Diadochen genannt, stritten sich um das Erbe. Schließlich erlangte Ptolemäus die Herrschaft über Ägypten, unter welches dann auch Judäa gestellt wurde. Die obere Schicht der Gesellschaft in Judäa übernahm nun eine hellenistische Denkweise, wie sie die Ptolomäer vertraten. Die priesterliche Aristokratie, die reichen Steuerpächter und Kaufleute lernten die griechische Sprache, besuchten griechische Theater, beschäftigten sich mit der griechischen Literatur und Philosophie und nahmen an sportlichen Übungen in griechischen Gymnasien teil. Dadurch widmete man den religiösen Bräuchen weniger Zeit und begann am überlieferten Glauben zu zweifeln.


Alexander der Große

Allerdings existierten im Gegensatz dazu auch Gruppierungen, die dieser Entwicklung entgegen wirkten, zum Beispiel die Chassidm.
Im Allgemeinen verhielten sich die Ptolomäer den Juden gegenüber wohlwollend. Als die Juden sich in Ägypten ansiedelten, sahen dies die Ptolomäer gern und zeigten Interesse für die jüdische Kultur.

Ptolomäus II. Philadelphos veranlasste eine Übersetzung der Tora ins Griechische, dazu ließ er 72 Älteste aus Jerusalem nach Alexandrien bringen. Antiochus III. siegte aber über die Ptolomäer und besetzte 198 v. Chr. Jerusalem. Die zum Hellenismus neigenden Kreise fielen jetzt mehr ins Gewicht, da die Syrer den Hellenisierungsprozess eifriger betrieben. Nach dem Tod von Antiochus III. versuchte sein Nachfolger Seleukus IV. die jüdische Religion umzustrukturieren und radikal zum Hellenismus hinzuführen. Er setzte eigenmächtig den Hohepriester ab und ernannte einen neuen. Er plünderte den Tempelschatz und verbot 168 v. Chr. die Ausübung des jüdischen Kultes, nachdem er im Tempel einen Altar für Zeus hatte errichten lassen .

Nach diesem Verbot setzten sich fromme Juden entschieden gegen die Syrer zur Wehr . Sie versteckten sich im Gebirge und unternahmen von dort aus Streifzüge, beschnitten jüdische Kinder und vernichteten heidnische Altäre. Unter Juda Makkabi, nach dem dieser Aufstand benannt wurde, zogen die Aufständler wieder in Jerusalem ein und stellten die Heiligtümer wieder her (->Chanukkafest). Es gelangen noch mehrere Siege über die auf den Seiten der Syrer kämpfenden Nachbarvölker. Doch einige Jahre später fiel Makkabi im Kampf gegen die Syrer. Kurze Zeit danach erlangten dann die Hasmonäer die Macht über Judäa.


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