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Biographisches

Am 11. Februar 1869 wird Elisabeth ( Else ) Lasker-Schüler in Elberfeld, einem Stadtteil von Wuppertal, geboren. Das jüngste Kind des Privatbankiers Aron Schüler und seiner Frau Jeanette wächst in einer wohlhabenden Familie auf. Zunächst besucht sie das Lyzeum West An der Aue. Nach einer schweren Erkrankung muss sie als Elfjährige die Schule verlassen und wird fortan von Hauslehrern unterrichtet. Mit ihren fünf Geschwistern verlebt sie eine behütete Kindheit.

Doch schon bald darauf wird sie von mehreren Schicksalsschlägen schwer getroffen. Erst stirbt ihr Lieblingsbruder Paul und wenig später ihre geliebte Mutter.

Im Januar 1894 heiratet sie den jüdischen Arzt Dr. Jonathan Berthold Lasker, den Bruder des Schachweltmeisters Emanuel Lasker. Noch im selben Jahr zieht das Paar nach Berlin um. Dort studiert die künstlerisch-begabte junge Frau zunächst bei Simon Goldberg Malerei. Außerdem veröffentlicht sie in dieser Zeit erste Gedichte.

Einige Jahre nach ihrer Ankunft in Berlin lernt sie den Dichter Peter Hille kennen und freundet sich mit ihm an. Er ist es auch, der sie in die Künstlerkolonie „Neue Gemeinschaft“ einführt. Im August 1899 kommt ihr erstes und einziges Kind Paul zur Welt. Sie behauptet selbst, dass nicht ihr Ehemann sondern ein Grieche namens Alkibiades de Rouan der Vater sei. Kurz nach der Geburt trennt sie sich von Jonathan Berthold Lasker, da sie in der „Vernunftehe“ nicht glücklich wird. Nach der Trennung kommt sie für einige Zeit in der „Neuen Gemeinschaft“ unter. Damals lernt sie ihren zweiten Mann, Georg Levin, kennen. Mit dem neun Jahre jüngeren Schriftsteller und Musiker lebt sie fortan teils in luxeriösen Hotelzimmern teils in kleinen, bescheidenen Dachwohnungen. Doch auch die Ehe mit „Herwarth Walden“ - wie sie ihn nennt - scheitert, als er sie mit einer jüngeren Frau betrügt.

In den nun folgenden Jahren entstehen unter anderem die Gedichtbände „Styx“ und „Der siebente Tag“ sowie ihr erstes Prosawerk „Das Peter-Hille-Buch“ und das Schauspiel „Die Wupper“.

Einige ihrer Werke veröffentlicht sie in bedeutenden Zeitschriften wie „Der Sturm“und „Die Fackel“. Ihren Lebensunterhalt verdient sie durch Vorträge und Lesungen. Trotzdem plagen sie immer häufiger Geldsorgen, denn die Behandlungskosten für ihren tuberkulosekranken Sohn sind enorm. Obwohl sie selbst wenig besitzt, versucht sie Bedürftigeren zu helfen. So bemüht sie sich 1913 in Russland vergeblich um die Freilassung ihres todkranken Freundes Johannes Holzmann.

Neben ihrem sozialen Engagement zeichnet sich Else Lasker-Schüler während ihrer Berliner Jahre auch durch ihre exzentrische und auffällige Erscheinung aus. Dass sie die traditionelle Frauenrolle in der bürgerlichen Gesellschaft ablehnt, bringt sie durch ungewöhnliche Kleidung zum Ausdruck: Sie hat kurze Haare und trägt weite Hosen, bunte Gewänder und auffallenden Schmuck. Als Mitglied der Berliner Boheme entwickelt sie eine zentrale Position und ist von großer Bedeutung für den aufkeimenden Expressionismus. Zu ihrem Bekanntenkreis zählen Künstler wie Franz Marc und George Grosz aber auch Schriftsteller wie Georg Trakl und Gottfried Benn, mit dem sie eine leidenschaftliche Beziehung beginnt. 1932 erhält sie für ihr literarisches Gesamtwerk den Kleist-Preis. Durch die Machtübernahme Hitlers wird ihr weiteres Schicksal besiegelt. Die Jüdin hat fortan unter der Diskriminierung der Nazis zu leiden. Nachdem sie von SA-Männern auf offener Straße niedergeschlagen wurde, flüchtet sie nach Zürich. Unterdessen fallen ihre Werke in Deutschland der Bücherverbrennung zum Opfer.

1938 wird sie schließlich mit folgender Begründung ausgebürgert:
„Durch Vorträge und Schriften versuchte sie, den seelischen und moralischen Wert der deutschen Frau verächtlich zu machen. Nach der Machtergreifung flüchtete sie nach Zürich und brachte dort ihre deutschfeindliche Einstellung durch Verbreitung von Gräuelmärchen zum Ausdruck ...“ ( aus einem Brief an den Reichsführer SS von 1938 ).

Auch im Exil lebt sie unter erschwerten Bedingungen. Sie muss ständig damit rechnen, abgeschoben zu werden und zieht deshalb häufig um. Zudem ist sie auf die Unterstützung von Freunden angewiesen, denn die Behörden haben ihr jegliche Erwerbstätigkeit verboten. Während dieser Zeit hat sie unter anderem mit Thomas und Klaus Mann Kontakt. Die Schweiz dient ihr darüber hinaus als Ausgangsort für drei Palästinareisen. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird ihr die Einreise in die Schweiz verboten. Deshalb lebt sie fortan in Jerusalem. Finanzielle Unterstützung erhält sie dort von dem Verleger Salmon Schocken und von der Jewish Agency. Damit ist es ihr möglich, den Veranstaltungsring „Der Kraal“ zu gründen, der zum Zentrum ihrer Lesungen und Vorträge wird. Wenige Jahre vor ihrem Tod entstehen das Drama „Ichunddich“ und der Gedichtband „Mein blaues Klavier“.

Am 22. Januar 1945 stirbt „Der Schwarze Schwan Israels“ nach einem schweren Herzanfall und wird am Ölberg in Jeusalem begraben.

Zum Werk

„Dies war die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte ... Ihre Themen waren jüdisch; ihre Phantasie orientalisch, aber ihre Sprache war deutsch ... Immer unbeirrbar sie selbst ... vermochte sie in dieser Sprache ihre leidenschaftlichen Gefühle auszudrücken, ohne das Geheimnisvolle zu entschleiern und zu vergeben, das ihr Wesen war.“ ( Gottfried Benn )

Else Lasker-Schülers Leben und Werk sind eng miteinander verbunden. Vor allem der Einfluss ihrer Religion ist dabei von Bedeutung: Die Schriftstellerin hatte ein kindlich-vertrautes Verhältnis zu Gott und glaubte an das Gute im Menschen. Sie hielt seit ihrer Kindheit an jüdischen Traditionen fest und „machte sich phantastische Vorstellungen von Jerusalem“ ( Margarete Kupper ). Ihre Sehnsucht nach dem Land der Väter wurde noch stärker, als sie das Gefühl hatte in Deutschland heimatlos zu sein. In der jüdischen Kabbala, die die Einheit zwischen Gott und dem Menschen wieder herstellen will, fand sie Bestätigung.

In ihren Werken verarbeitete Else Lasker-Schüler häufig ihre Sehnsucht nach der Versöhnung von Judentum und Christentum. Ein Beispiel dafür ist das Drama „Arthur Aronymus und seine Väter“, in dem aber auch die Judenverfolgung angedeutet wird: „Unsere Töchter wird man verbrennen auf Scheiterhaufen. Nach mittelalterlichem Vorbild! Der Hexenglaube ist auferstanden ... Die Flamme wird unsere unschuldigen jüdischen Schwestern verzehren ...“ Ihr letztes Drama „IchundDich“ handelt ebenfalls vom jüdischen Schicksal; von Heimatlosigkeit, Angst und Hoffnung.

In ihrer autobiografisch geprägten Prosa beschrieb Else Lasker-Schüler ihr Leben und das ihrer Freunde in Form von Legenden und Sagen. Dabei gab sie ihren Freunden Namen wie „Ritter aus Gold“ ( Georg Trakl ) oder „Blauer Reiter“ ( Franz Marc ). Sie selbst herrschte als „Prinz von Theben“ oder Jussuf über die Phantasiewelt, in der christliche, alttestamentarische und orientalische Elemente vereint waren.

Ihr Verhältnis zur jüdischen Tradition wird auch in ihrer Lyrik, besonders in den „Hebräischen Balladen“ und in dem Gedichtband „Mein blaues Klavier“, deutlich.

verfasst von: Claudia Günther


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