| siehe: Essay |
DIE RINGPARABEL
Ausführlich ausgestaltet und weit
verbreitet wurde die Parabel dann im 14. Jahrhundert durch
GIOVANNI BOCCACCIO (1313-1375). In seinem Novellenzyklus "DECAMERONE"
(1349-1352)
bildet sie die dritte Novelle des ersten Tages.
Lessing selbst schreibt verschiedentlich, dass er diese als Vorlage benutzt
habe.
Aus der dritten Novelle des zehnten Tages hat er auch den Namen des Juden
"Nathan" übernommen. Die seit dem Mittelalter überlieferte
"Ringparabel" hat er als Kernstück seines Dramas benutzt.
http://gutenberg.aol.de/lessing/nathan/nathan36.htm
Interpretationen
zur „Ringparabel“
Die Ringparabel, eine Lehre für das Heute?
Der Sultan Saladin steckte in Geldnöten. Daraufhin sollte
Nathan ihm die wahre Religion zeigen oder sein Geld hergeben. Nathan erzählte
ihm die Ringparabel. In dieser geht es darum, dass ein Vater einen kostbaren
Ring besaß und diesen an einen seiner drei Söhne vererben wollte. Diese drei Söhne
könnten symbolisch für die Anhänger der Weltreligionen Judentum, Christentum
und Islam stehen. Da der Vater einen Streit in der Familie vermeiden wollte und
sich außerdem nicht entscheiden konnte, ließ er den Ring dreimal nachfertigen,
von denen jeder Sohn jeweils einen erhielt. Nach dem Tod des Vaters stritten
sich die Söhne darum, wer den echten Ring besaß. Man ließ die Ringe prüfen,
es stellte sich allerdings heraus, dass keiner der Drei echt war. Die Ringe könnte
man mit den drei Weltreligionen vergleichen.
Jeder der drei Söhne glaubte, sein Ring wäre der Wahre.
Man könnte also sagen, dass sich die Anhänger der drei Religionen darum
streiten, welche Religion die Beste sei. Alle denken, ihre Religion sei die
Wahre.
In der Parabel sagt der Richter, dass keiner der Ringe, die
die Söhne besitzen, der Echte sei. Wir denken, Nathan wollte folgendes damit
ausdrücken:
Dass
keine Religion die Beste sei, sondern dass alle gleich sind.
Außerdem wird in der Ringparabel erzählt, nur der echte
Ring habe die Macht, seinen Besitzer vor Gott angenehm und beliebt zu machen. Da
alle drei Söhne einen Ring besaßen, befanden sie sich alle in dem Glauben, sie
seien somit bei Gott beliebt. Da ihre Ringe aber unecht waren, zeigt dies, dass
nur der Glaube an eine Religion bzw. einen Gott wichtig ist und jeder auch ohne
einen Ring von seinem Gott akzeptiert wird. Es geht nicht darum, welche Religion
die beste ist, man soll nur fest an etwas glauben.
AH, NR, ST, SZ
Die
Ringparabel aus "Nathan der Weise" (1779)
Nachdem Nathan von Saladin
gefragt wird, welche Religion, Christentum, Judentum oder Islam, er für die
Wahre hält, antwortet Nathan indem er eine Geschichte erzählt, in der ein Ring
die wahre Religion symbolisiert.
„Vor grauen Jahren
lebte ein Mann in Osten, der einen Ring von unschätzbarem Wert aus lieber Hand
besaß. Der Stein war ein Opal, der hundert schöne Farben spielte, und hatte
die geheime Kraft vor Gott und den Menschen angenehm zu machen, wer in dieser
Zuversicht ihn trug. Was Wunder, dass ihn der Mann in Osten darum nie vom Finger
ließ; und die Verfügung traf, auf ewig ihn bei seinem Hause zu erhalten? Nämlich
so. Er ließ den Ring von seinen Söhnen dem geliebtesten; und setzte fest, dass
dieser wiederum den Ring von seinen Söhnen dem vermache, der ihm der liebste
sei; und stets der liebste, ohne Ansehen der Geburt, in Kraft allein des Rings,
das Haupt, der Fürst der Familie werde. So kam nun dieser Ring, von Sohn zu
Sohn. Auf einen Vater endlich von
drei Söhnen, die alle drei ihm gleich gehorsam waren, die alle drei er folglich
gleich zu lieben sich nicht entbrechen konnte. Nur von Zeit zu Zeit schien ihm
bald der, bald dieser, bald der dritte, so wie jeder sich mit ihm alleine
befand, und sein ergießend Herz die andern zwei nicht teilten, - würdiger des
Ringes; den er denn auch einem jeden die fromme Schwachheit hatte,
zu versprechen. Das ging nun so, solang es ging. - Allein es kam zum Sterben,
und der gute Vater kömmt in Verlegenheit. Es schmerzt ihn, zwei von seinen Söhnen,
die sich auf sein Wort verlassen, so zu kränken. - Was zu tun? - Er sendet in
geheim zu einem Künstler, bei dem er, nach dem Muster eines Ringes, zwei andere
bestellt, und weder Kosten noch Mühe sparen
heißt, sie jenem gleich, vollkommen gleich zu machen. Das gelingt dem Künstler.
Da er ihm die Ringe bringt, kann selbst der Vater seinen Musterring nicht
unterscheiden. Froh und freudig ruft er seine Söhne, jeden ins besondere; gibt jedem ins besondere
seinen Segen, - und seinen Ring, - und stirbt. - Kaum war der Vater tot, so
kommt ein jeder mit seinem Ring, und Feder will der Fürst des Hauses sein. Man
untersucht, man zankt, man klagt. Umsonst; der rechte Ring war nicht erweislich;
- Die Söhne verklagten sich und jeder schwur dem Richter, unmittelbar aus
seines Vaters Hand den Ring zu haben. - Wie auch wahr! -
Nachdem er von ihm langes das Versprechen schon gehabt, des Ringes Vorrecht
einmal zu genießen. - Wie nicht minder wahr! - Der Vater, beteuerte jeder, könne
gegen ihn nicht falsch gewesen sein; und ehe er dieses von ihm , von einem
solchen lieben Vater argwöhnen lasse, müsse er seine Brüder, so gern er sonst
von ihnen nur das Beste bereit zu glauben sei, des
falschen Spiels bezichtigen; und er wolle die Verräter schon auszufinden
wissen; sich schon rächen. Der Richter sprach: wenn
ihr mir nun den Vater nicht bald zur Stelle schafft, so weise ich euch von
meinem Stuhle. Denkt ihr, dass ich Rätsel zu lösen da bin? Oder harret ihr,
bis der rechte Ring den Mund öffne? - Doch halt! Ich höre ja, der rechte Ring besitzt die Wunderkraft
beliebt zu machen; vor Gott und Menschen angenehm. Das muss entscheiden! Denn
die falschen Ringe werden doch das nicht können! - Nun; wen lieben zwei von
euch am meisten? - Macht sagt an! Ihr schweigt? Die Ringe wirken nur zurück?
und nicht nach außen? Jeder liebt sich selber nur am meisten? - O so seid ihr
alle drei betrogene Betrüger! Eure Ringe sind alle drei nicht echt. Der echte
Ring vermutlich ging verloren. Den Verlust zu bergen, zu ersetzen ließ der
Vater die drei für einen machen. Und also wenn ihr nicht meinen Rat, statt
meines Spruches wollt: Geht nur! - Mein Rat ist aber der: ihr nehmt die Sache völlig
wie sie liegt. Hat von Euch jeder seinen Ring von seinem Vater: so glaube jeder
sicher seinen Ring den echten. - Möglich; dass der Vater nun die Tyrannei des
einen Rings nicht länger in seinem Hause dulden wollten! - Und gewiss; dass er
euch alle drei geliebt, und gleich geliebt: indem er zwei nicht drücken mögen,
um einen zu begünstigen. - Wohlan! Es eifre jeder seiner unbestochenen
von Vorurteilen freien Liebe nach! Es strebe von euch jeder um die Wette, die
Kraft des Steins in seinem Ring an Tag zu legen! komme dieser Kraft mit
Sanftmut, mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohl tun, mit innigster Ergebenheit in Gott, zu
Hilfe! Und wenn sich dann der Steine Kräfte bei euren Kindeskindern äußern;
so lade ich über tausend Jahre, sie wiederum vor diesen Stuhl da wird ein
weiserer Mann auf diesem Stuhle sitzen als ich; und sprechen. Geht! - So sagte der bescheidene
Richter.
Saladin bemerkt, worauf
Nathan hinaus will, und sagt, dass nicht er fähig sei, diese Frage zu
beantworten. Nathan, der den Sultan mit der Geschichte auf die Probe gestellt
hat, ist zufrieden und die beiden schließen eine enge Freundschaft.
Interpretation der Ringparabel.“
Von Stephan
Lachenmaier
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Essay von Mark Opitz
Nathan beginnt das Gleichnis zu erzählen, welches später als Ringparabel bezeichnet wird.
Interpretation: In der Geschichte, die Nathan erzählt, kommt ein Mann vor,
welcher einen Ring besitzt, der sehr wertvoll ist und die Kraft besitzt vor Gott
und Menschen angenehm zu machen, wer ihn in Zuversicht trägt. Lessing könnte
diesen Mann als Urreligion bezeichnen, und mit ihm die gleiche Herkunft aller
folgenden Religionen andeuten. Die Kraft, die jener Ring besitzt, liegt in der
Weisheit und nur wer sie erlangt, wird es zu etwas bringen.
Der Ring strahlt erst seine Kraft aus, wenn man auch wirklich daran glaubt, dass
der Ring eine Kraft besitzt, die vor Gott ein gutes Ansehen dem Menschen bringt.
Nur derjenige, der an den Glauben glaubt, wird vor Gott ein guter Mensch sein
und erfährt die Wirkung des Ringes und kann damit hoffen, dass er ein gutes
Leben haben wird und zum Schluss auch in den Himmel kommt. Diese Kraft oder
Wirkung des Ringes ist der Glauben des Menschen an
etwas nicht natürliches. Wenn man an die Identität von Gott glaubt und sich
der Aufgaben von Gott stellt, die man durch ihn aufgetragen hat, dann hat der
Ring seine Wirkung vollbracht.
Dieser Mann bekommt drei Söhne, die sich sehr ähnlich sind. Damit drückt Lessing, die drei verschiedenen Religionen zu seiner Zeit aus. Sie besitzen alle einen Ursprung, wie die Söhne. Mit der Zeit gibt es aber ein Problem, da es nur einen Hausherren geben kann, um die Tradition fortzusetzen. Jeder der drei Söhne versucht der Beste zu sein, um später das Amt zu übernehmen.
Die drei Söhne sind sich so ähnlich, da sie eine Herkunft haben, dass man
sie nur durch ihre eigenen Gesichtspunkte zu verschiedenen Dingen unterscheiden
kann. Dies nimmt Lessing als Vorwand für die Religionen. Sie haben alle einen
oberen Herrscher (Gott), an den alle glauben, aber jeder betrachtet ihn
unterschiedlich und verehrt ihn anders. Deshalb entstehen große Unterschiede
zwischen den Religionen, obwohl sie sehr eng verbunden sind. Jeder
Sohn zeigt in seiner Jugendzeit gute und schlechte Seiten, so dass der Vater
sich nicht entscheiden kann, wer der Beste ist und die Macht im Hause haben
sollte. Das zeigt gleichen Bezug auf die Religionen. Jede Religion hat gute und
schlechte Seiten und Zeiten und damit kann man schlecht entscheiden wer nun
"Sieger" oder "Verlierer" ist und somit das höchste Amt
besitzen soll. Es gibt eben nicht nur eine Religion, die über die anderen
herrschen kann.
Als der Vater im Sterben liegt, muss er eine Entscheidung treffen. Er will
niemanden benachteiligen oder kränken und somit ließ er den Ring
vervielfältigen. Für die Religionen, so würde ich sagen, heißt das, dass man
nicht einfach so zwei andere Religionen abschaffen oder zurückstellen kann und
einfach eine oberste Religion ernennen kann,
nach deren Glauben alle anderen leben müssen. Man muss die anderen Religionen
akzeptieren und respektieren, auch wenn sie einen anderen Glauben haben und
andere Vorstellungen von Gott besitzen. Die Religionen können nicht unter einen
Hut gebracht werden, denn dafür sind sie in den Jahrhunderten schon viel zu
verschieden geworden. Außerdem müssen sie ihren Glauben frei äußern und
ausleben können, ansonsten käme es zu Konflikten
zwischen den Religionen, da eine bestimmen würde, wie die andere sich zu
verhalten hat. Es käme somit zu keiner gemeinsamen Religion, sondern zu einer
Alleinherrschaft.
Die Religionen sind nicht von Gott gemacht, sondern vom Menschen. Gott stellt dabei die oberste Leitfigur dar, nach der man sich richtet. Er ist eine Art Vorbild, um ein gutes Leben zu führen können.
In der Geschichte, die Nathan erzählt, lässt der Vater drei gleiche Ringe
anfertigen. Das soll ein Zeichen für Saladin sein. Er soll versuchen die drei
Religionen nebeneinander gleichzustellen. Er soll nicht versuchen seine oder
irgend eine andere Religion in den Vordergrund zu stellen und nach ihr zu
regieren. Er soll alle anderen achten und
respektieren.
Der Vater übergibt die Ringe und denkt somit eine Lösung gefunden zu haben und stirbt. Leider tritt damit wieder ein großes Problem auf. Die Söhne geben sich nicht mit ihrer Macht zufrieden. Sie wollen entweder alles oder nichts.
Sie wollen alleiniger Herrscher sein und die ganze Macht besitzen. Dieses
Problem könnte nach dem Tod des Saladin auch auftreten, denn jetzt sehen wieder
einige Religionen den Weg zur Alleinherrschaft und Unterdrückung, um ein
besseres Leben zu führen. Da jeder unterschiedliche Macht besitzt, ist das
leider möglich. Jeder hat unterschiedliche Macht, Reichtümer und Anhänger und
somit kommt es dazu, dass eine Religion zur Spitze greift,
die von allem das meiste hat und somit sich gegenüber den anderen behaupten
kann. Die anderen Religionen werden somit in den Hintergrund gestellt. Als Kompromiss
müsste es somit einen gemeinsamen Herrscher geben der wieder über alle
herrscht, im gegenseitigen Einvernehmen. Es gibt aber leider keinen gemeinsamen
Anführer, da dieser Anführer sich von keiner Religion leiten lassen dürfte.
Er dürfte selber keinen Glauben besitzen um als
Herrscher zu regieren und dennoch müsste er über alle Religionen Bescheid
wissen. Er müsste sie bis ins kleinste Detail kennen, um sie zu achten und zu
respektieren. Er müsste in jeder Religion aufgewachsen sein und das ist nicht
möglich. Somit kann es zu keiner gemeinsamen Einigung kommen. Wenn es, wie in
dieser Geschichte, nicht einmal drei Söhne schaffen einig zu werden, kann das
bei drei Religionen mit Millionen von Anhängern nie etwas werden.
Man versucht den echten Ring zu finden und dabei äußert Nathan in der Form
des Richters: "Es ist fast so unerweislich, wie der jetzige rechte
Glaube." Da alle drei Religionen herrschen und großen Einfluss haben, kann
man nicht herausfinden, welche die richtige ist. Die Lösung und der Ursprung
des Problems liegt in der Vergangenheit und lässt sich nicht herausfinden und
somit auch nicht lösen. Wie die Geschichte zeigt, so glaubt jeder Sohn den
richtigen Ring zu besitzen und beteuert der liebste Sohn zu sein. In den
Religionen ist das nicht viel
anders. Durch seinen Glauben denkt jeder die richtige Religion zu besitzen und
hält sie für die einzige und wichtigste, somit geht auch keiner mit den
anderen einen Kompromiss ein, da er denkt dem anderen seine Religion sei falsch.
Dieses falsche Urteil entsteht aber nur, wenn man nicht über die anderen
Religionen bescheid weiß, wie es ja in der Wirklichkeit ist. Für jeden ist die
eigene Religion die richtige. Alle drei Religionen sind für ihre
Menschen richtig, da sie mit ihrem Lebensstil am besten harmonieren. Dieses
Problem besitzt auch Saladin, da er auch einer eigenen Religion angehört und an
sie glaubt. Saladin betrachtet es von seinem Standpunkt aus und nicht weltlich.
Lessing spricht damit auch die Kirche an (christlicher Glaube), welche die Kreuzzüge und Unterdrückung durchführten. Die Kirche wusste auch nicht so genau und speziell über andere Religionen bescheid und handelte somit voreilig und oberflächlich.
Man bringt damit nichts gutes in sein eigenes Volk, sondern nur Hass
gegenüber den anderen. Lessing will damit andeuten, dass man von anderen auch
lernen kann. Die Herrschaft, die die Kirche zur Zeit Lessings durchführt,
bringt nur Reichtümer und Macht für die Adligen und keine Rettung der
einfachen Leute gegen Hunger und Armut.
Die Religion ist nur ein Vorwand für eine große Alleinherrschaft. Da alle an
den christlichen Glauben glauben, lassen sie sich von ihm leiten und tun alles
was ihnen gesagt wird, da sie glauben die Aufgaben kommen von Gott.
Die Kirche ist sehr reich, aber vor dem Volk spielt sie den armen Verband vor.
Sie benutzt den Glauben der Menschen um sich zu bereichern und das will Lessing
zu seiner Zeit verhindern. Dadurch, dass Lessing verboten wurde das Wahre zu
äußern, wird auch anderen klar, dass mit der Kirche etwas nicht stimmt und
somit kommt es später zum Aufstand gegen die Kirche, wobei sie in ihrem
Vertrauen zu den Menschen und Gläubigen leicht angeschlagen wird und somit auch
einzelne Anhänger verliert.
Als die Söhne vor den Richter traten sagte der nur, dass er jenes Problem
nicht lösen könne und verwies nur auf die Wirkung des Ringes. Nur durch die
Wirkung des Ringes kann der richtige Nachkomme gefunden werden. Dabei erkannte
man aber, dass bei keinem der drei Söhne die Wirkung auftrat, da alle drei sich
selbst nur am meisten liebten. Auch hier tritt wieder der eigene Glaube hervor,
wie er auch in der Religion zu finden ist. Lessing drückt damit die Gleichheit
der Religionen aus und dass es keine "Beste" geben kann. Der Vater
wollte keinen von ihnen
unglücklich machen, da er sie alle gleich liebte. Der Vater wollte sie somit
zum Nachdenken anregen. Jeder sollte über sich selber nachdenken und sich
selbst finden und selber einschätzen was richtig oder falsch für ihn und seine
Mitmenschen ist. Man soll sich nicht von materiellen Dingen leiten lassen und
somit sogar seine Brüder bekriegen und sogar zugrunde richten. Lessing drückt
damit auch seine Gedanken aus. Er versucht zu verdeutlichen, dass man an seinen
eigenen Glauben denken muss, man soll sich nicht von anderen Religionen leiten
lassen und nicht an materielle Dinge denken, wie die Kirche es tut. Jeder soll
versuchen sein Bestes zu geben, sowohl in der Arbeit als auch in der Religion.
Man soll sich nicht vor anderen Dingen verschließen, sondern sie respektieren
und achten, und damit meint Lessing sicher nicht nur die anderen Religionen
sondern auch den Fortschritt im weiteren Leben.
Lessing wollte damit den Adel ansprechen, welcher endlich einen Anfang schaffen sollte für die Gleichstellung der Menschen, damit irgendwann in ferner Zukunft eine Lösung für das religiöse Problem geschaffen werden kann. Die Adligen sollen endlich aufhören nach Macht und Geld zu streben, damit ein besseres Leben unter den Völkern und im Volk ist. Für Saladin, in dieser Geschichte, soll das heißen, dass für ihn noch nicht die Zeit gekommen ist und auch für andere nicht kommen wird, die Religionen so zu vereinigen oder zu unterdrücken, wie es die Kirche macht, denn das bringt keine guten Lebensumstände für die Menschen. Wie es Lessing in seinem eigenen Leben erfahren hat, kann das nicht gut für das einfache Volk sein. Die Religionen, so kommt hervor, können sich nie einigen, nicht in tausend Jahren, da sie schon viel zu verschieden sind, wie man es auch bei den Söhnen sieht. Sie sind vielleicht 30 Jahre alt und können sich nicht einigen, da sie schon zu stark ihr eigenes "Ich" vertreten und somit kann auch keine Lösung gefunden werden. Die Religionen sind schon Jahrhunderte alt und werden von ihrem eigenen Glauben nie wegkommen, um eine Lösung zu finden, denn dafür sind sie zu stolz und eigensinnig. Die drei Söhne haben den Sinn des Rings und die Lösung des Vaters nicht verstanden, somit haben auch die Menschen, die den "Alten Gläubigern" in ihrem Glauben folgen wollten, den richtigen Weg der Religion nicht verstanden. Somit kann die eigentliche Aufgabe der Religion nicht erfüllt werden. Lessing bezieht sich stark auf sein Leben und die Unterdrückung durch die Kirche und bemerkt dabei, dass es so nicht weitergehen kann. Man kann anderen Völkern keinen Glauben aufzwingen und sie zu Untertanen machen, deshalb versucht er mit dieser Ringparabel gegen die Kirche zu seiner Zeit vorzugehen und versucht durch seine Anhänger, die seine Ansichten vertraten, die Dinge zu ändern. Mit diesem Gleichnis versucht er zwar zum größten Teil das Volk anzusprechen, da es diese Erzählung am besten versteht. Aber leider haben dieses Theaterstück, zur Zeit Lessings, nur Adlige und Denker gesehen und nicht das Volk. Lessing versucht den Adel, ohne öffentlich zu diskriminieren, auf das Fehlverhalten hinzuweisen.
Lessing bezeichnet die Kirche als Saladin und will durch ihn näher bringen was für schlimme Folgen auftreten können und aufgetreten sind. Lessing stellt sich als weisen Nathan dar, der die Probleme verstanden hat und eine Lösung bringen will, die das Volk sehr ansprechen soll und die Kirche und alle anderen Religionen zu Änderungen zwingen soll.
Er versucht der Kirche, durch dieses "Theaterstück", klarzumachen, dass sie nicht nur als einzige Religion vorhanden ist, und sie nicht als einzige über die ganze Welt herrschen kann. Es gibt auch andere Dinge die man respektieren und achten muss und man darf dabei nie vergessen, dass alle Menschen gleich sind. Lessing versucht sich durch Nathan an der Geschichte als Richter und beschreibt, wie die Welt wirklich ist und dass die Einstellungen der Menschen geändert werden muss.
Von Mark Opitz