"Der jüdische Witz ist heiter hingenommene Trauer über die Gegensätze dieser Welt. Er zeigt immer wieder auf, dass - eben in dieser Welt voller Logik - die Gleichungen, die ohne Rest aufgehen, nicht stimmen können." Carlo Schmidt
Der Jüdische Witz zeichnet sich vor allem durch eine bittere Selbstkritik aus. Er besitzt Schärfe und Tiefe. Er thematisiert Religiöses, Soziales, Politisches oder Philosophisches und wirkt dichter und ausgefeilter als viele andere. Es kommt oft vor, dass die Witze sehr ausführlich und detailliert sind. Manchmal wird in ihrem Stil die sogenannte Talmudtechnik parodiert. Genau wie im Talmud werden Vergleiche herangezogen und ins scheinbar Unlogische getrieben. Die hebräische Schrift des Talmud besitzt keine Satzzeichen oder Vokale , nur durch die Sprachmelodie beginnt es Sinn zu machen. Diese Eigenart wird gerne für Begriffs- und Gedankenspiele verwendet zum Beispiel : "Was ist Konsequenz ? Heute so, morgen so. Was ist Inkonsequenz ? Heute so , morgen so. "
Beispiele für verschiedene Themen
Kritik an Bibel, Talmud; Ritus und Kultus 1. Beispiel (nur wirklich witzig wenn man sich etwas mit Koscherkochen auskennt ) : Dialog auf dem Berge Sinai Gott: "... und bedenke, Moses, Koche nie das Böcklein in der Milch seiner Mutter. Das ist ein Greuel." Moses: "Ohhhh! Du sagst also, man soll milchig und fleischig nie zusammen essen?" Gott: " Nein, was ich sage, ist, daß man das Böcklein nie in der Milch seiner Mutter kochen darf." Moses: "Oh, Herr vergebe mir meine Ignoranz. Du sagst, daß wir sechs Stunden nach dem Genuß von Fleisch warten sollen, bis wir milchig essen, damit beides nicht gleichzeitig im Magen ist?" Gott: "Nein, Moses, hör mir zu. Ich sage, koche niemals das Böcklein in der Milch seiner Mutter." Moses: "Oh, Herr. Bitte richte mich nicht für meine Dummheit. Du meinst, wir sollen separates Geschirr für Milchiges und Fleischiges haben? Und wenn wir einen Fehler machen, sollen wir das Geschirr draußen verbrennen?" Gott: "Mach was du willst, Moses ..." 2. Beispiel (orthodoxe Juden studieren heilige Schriften nur mit Kopfbedeckung) : An einem Sabbatnachmittag kommt Itzig Schmul besuchen - was sieht er ? Schmul sitzt splitternackt da mit dem Hut auf dem Kopf und studiert einen Talmudfolianten. "Schmul ! Was sitzt du da ganz ohne Kleider ?" "Ach, es ist so heiß. Und ich dachte , heute, am Sabbat, kommt ohnehin niemand." "Aha. Und wozu hast du den Hut aufgesetzte ?" "Nun - ich dachte : am Ende kommt vielleicht jemand."
Verspottung von strengen Talmudgelehrten und Wunderrabbis Beispiel für Wunderrabbi : Ein Chassid : "Einmal sah unser Rabbi im Haustor gegenüber einen Juden Schweinespeck kauen. Da rief er 'Das Haus soll über dem Juden zusammenbrechen !' - Dann aber besann er sich und sagte : 'Halt ! Am Ende würden dabei Unschuldige umkommen! Das Haus soll stehen bleiben!' - Und was sagt ihr dazu : Das Haus blieb tatsächlich stehen !"
Ratschläge von Rabbis Ein Jude klagt beim Rabbi, er wohne mit seiner Familie in einem winzigen Stübchen - es sei nicht auszuhalten. Der Rabbi klärt. Damm fragt er : "Hast du Hühner ? Hast du auch eine Ziege ?" Der Jude hat Hühner und auch eine Ziege. "Nimm die Hühner und die Ziege mit in die Stube hinein!" "Aber Rabbi ! Gewalt geschrien ! Wir können uns doch so schon kaum in der Stube umdrehen !" Der Rabbi läßt sich jedoch nicht erweichen ... Nach einer Woche kommt der Jude wieder und fleht : "Rabbi, laßt mich die die Tiere in den Stall zurück tun!" Der Rabbi erlaubt es, und kurze Zeit später fragt er den Juden : "Nun, wie ist es bei Euch jetzt mit dem Platz ?" "Rabbi", sagte der Jude glücklich, "wir haben den Eindruck, in einem Riesensaal zu leben!" Darauf der Rabbi, stolz : "Siehst du !"
Interkonfessionelles Gespräche Pfarrer zum Juden : "Ich will Ihnen eine hübsche Geschichte erzählen : Ein Jude wollte in den Himmel. Petrus wies ihn ab. Der Jude versteckte sich aber hinter der Türe, und als Petrus nicht achtgab, schlüpfte er hinein...Drin war er nun, und man konnte ihn auf keine Weise loswerden. Aber Petrus hatte einen großartigen Einfall : Er ließ vor der Himmelstüre draußen die Versteigerungstrommel schlagen - da rannte der Jude schnell hinaus, und Petrus schloß hinter ihm zu." Der Jude : "Die Geschichte ist noch nicht fertig. Durch die Anwesenheit des Juden war der Himmel entweiht und mußte neu geweiht werden. Man suchte daher im Ganzen Himmel nach einem Pfarrer - es war kein einziger zu finden !"
Über arme Schnurre und reiche Geizige "Bitte helfen sie mir ! Ich war bei einer Wanderkapelle, und nun hat sie sich aufgelöst, und ich sitze ohne einen Heller in der fremden Stadt. Ich bin ein notorischer Pechvogel." Hausherr, misstrauisch : "Welches Instrument spielen Sie ?" Der Schnorrer, nach langem Nachdenken : "Oboe." Der Hausherr öffnet den Schrank, zieht eine Oboe hervor und fordert auf : "Spielen Sie mir etwas vor !" Der Schnorrer : "Da sehen Sie nun selber, dass ich Ihnen die Wahrheit gesagt habe und dass ich wirkliche ein Pechvogel bin : müssen Sie ausgerechnet eine Oboe besitzen !"
Bestimmte Berufe Im Schaufenster liegt eine Uhr. Ein Kunde betritt das Geschäft und fragt den Ladenbesitzer, einen bärtigen Juden, nach dem Preis. "Ich verkaufe keine Uhren" , erklärt der Jude. "Ja, aber im Schaufenster ist doch eine Uhr!" "Gewiß. Das ist so : ich bin Beschneider der Kultusgemeinde. Was, glaubt der Herr, soll ich denn ins Schaufenster hängen?"
Anekdoten über berühmte Leute Der Wiener Schriftsteller Saphir geht in einer engen Gasse hinter einer Gruppe schnatternder Damen her, die ihn nicht vorbeilassen. Schließlich drückt er eine von ihnen beiseite, um vorbeizukommen. Die Dame :"Unverschämter Kerl, was treibt er da?" Saphir : "Gänse."
Militärwitze Ein Jude kommt frisch in den Schützengraben. Eben ist im Vorfeld eine feindliche Patrouille. Es beginnt eine wüste Schießerei. Der Jude ruft entsetzt : "Hört doch auf zu schießen ! Seht ihr nicht, dass dort Leut herumlaufen ?!"
verfasst von: Anne Forbriger |