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Der 1. Jüdische Krieg

Massada ist ein Felsen, der in erhabener Einsamkeit aus der Judäischen Wüste emporragt. Im ersten Jahrhundert v. Chr. hatte dort der judäische König Herodes der Große zwei befestigte Prunkpaläste erbauen lassen. Dieser Felsen wurde vor 19 Jahrhunderten Schauplatz einer der dramatischsten Episoden in der Geschichte. Nach 60 v. Chr. geriet das von politischen Streitigkeiten geschwächte Land unter römische Herrschaft.

Festung Massada -

Zunehmend kam es zu Konflikten zwischen den Juden und ihren Besatzern. Der Versuch, sich vom römischen Joch zu befreien, führte zu einer Reihe jüdischer Aufstände. Diese Auseinandersetzungen zum Kampf um die Freiheit und damit der Wunsch nach der Unabhängigkeit des jüdischen Volkes erreichten ihren Höhepunkt in der Revolte von 66 n. Chr., dem ersten jüdischen Krieg - auch erster Römischer Krieg oder Jüdischer Aufstand genannt. Ziel der Römer war in diesem Krieg der Untergang des jüdischen Staates.
Anlass für den ersten jüdischen Krieg gab die Vorgehensweise des Prokurators (= Statthalter einer römischen Provinz) Gessius Florus. Als dieser Teile des Tempelschatzes forderte, brach unter zelotischer Führung der Aufstand los.

Triumphzug - des Kaiser Titus durch Rom (Relief)

Die Zeloten waren die radikalste jüdische Gruppierung und gingen im Kampf gegen die Römer gnadenlos vor. Sie verfolgten das Ziel der Befreiung Judäas von jeglicher Fremdherrschaft. Dieser Widerstand wurde jedoch nicht von allen Juden gebilligt.

Den Ernst der Lage erkennend, schickte Kaiser Nero seinen erfahrensten Feldherrn Titus Flavius Sabinus Vespasianus mit drei Legionen als Legat (= Unterfeldherr) nach Judäa. Nachdem Caesarea (lateinisch: die Kaiserliche bzw. die Stadt Caesars) den Jüdischen Aufstand gegen die Römische Herrschaft im Jahre 66 n. Chr. unterstützt hatte, richteten die Römer dort ein Massaker unter den Juden an. Sie hatten die Herrschaft über die Stadt wiedererlangt. Vespasianus erkor die Stadt daraufhin zum Hauptquartier im Kampf gegen die Juden. Ein gewaltiges Kontingent an Legionären zerschlug allmählich von Norden her den Widerstand. 67 und 68 n. Chr. kam es zur Unterwerfung Galiläas und Judäas, außer Jerusalem.

Der Sturz Neros im Jahre 69 n. Chr. verzögerte den Kampf, bis schließlich Vespasianus selbst zum Cäsar gekrönt wurde. Er ernannte seinen Sohn Titus zum Oberbefehlshaber im Kampf gegen die Juden. Unter seiner Regie konnten die Römer mit sechs Legionen 70 n. Chr. Jerusalem belagern. Zu dieser Zeit hielten sich Tausende von Pilgern in der Stadt auf. Der acht Kilometer lange Wall mit den 13 Kapellen um die Stadt bedeutete für viele den Tod. Ein Entkommen war unmöglich. Flüchtlinge und Gefangene wurden von den Römern sofort gekreuzigt. Am 26. September 70 n. Chr. eroberten die Römer Jerusalem. Nach vier Jahren immer wieder auflebender Kampfhandlungen fiel Judäa (Juda); der Zweite Tempel wurde geplündert und bis auf die Grundmauern niedergebrannt (die heutige Klagemauer ist der Überrest der Westseite des Tempels). Viele Juden wurden des Landes verwiesen. Die jüdischen Gefangenen wurden nach Rom und in entlegene römische Provinzen deportiert.

Als die Römer Jerusalem einnahmen, zogen sich immer mehr zelotische Freiheitskämpfer auf die Festung Massada zurück. Sie zählten weniger als tausend Seelen, doch sie fassten den Beschluss, den Kampf gegen die römische Unterdrückung fortzusetzen. Unter ihrem Anführer Eleazar ben-Ya'ir blieben sie zwei Jahre unangefochten. Doch dann führte im Jahre 72 n. Chr. der römische Gouverneur Flavius Silva die 15 000 Mann starke 10. römische Legion heran, die am Fuße der unzugänglichen Felsenfestung ihr Lager aufschlug und mit der Belagerung der auf dem Hochplateau ausharrenden Verteidiger begann.

Rund um die dem Untergang geweihte Festung wurde eine Belagerungsmauer gezogen. Ferner wurde eine gewaltige Rampe aus Felsbrocken und Erde errichtet. Als die Verteidigungswerke niedergebrannt waren und die Niederlage ersichtlich wurde, forderte der Anführer seine Gefolgschaft auf, der Sache, wofür sie so lange gekämpft hatten, treu zu bleiben. Er soll nach Berichten von zwei Überlebenden ausgerufen haben: "Lasst uns lieber sterben, als von unseren Feinden zu Sklaven gemacht zu werden, lasst uns von dieser Welt in Freiheit scheiden!" Es wurden daraufhin Lose gezogen und somit die zehn Männer gewählt, die ihren Frauen, Kindern und den übrigen Kameraden das Leben nehmen sollten. Der letzte überlebende Kämpfer steckte den Palast in Brand und tötete sich mit seinem Schwert. Die 960 Verteidiger sollen reiche Vorräte unberührt gelassen haben, um den Römern klar zu machen, dass sie den Tod der Versklavung unter römischer Herrschaft vorzogen.

Die völlige Zerschlagung des jüdischen Aufstandes hatten die Römer erreicht. Der Massenselbstmord in der Bergfestung Massada wurde zum Symbol der Freiheit des jüdischen Volkes im eigenen Land. Nach zweitausend Jahren bleiben die Opfer Eleazar ben-Ya'irs genau so wichtig, wie sie es in jener vergangenen Zeit waren.

verfasst von: Elisa Schubert

Der 2. Jüdische Krieg

Im Jahre 132 n. Chr. kam es zu einem neuen Konflikt in Judäa. Ein Anlass war gegeben, als der römische Kaiser Hadrian (76- 138 n. Chr.) die Beschneidung unter Todesstrafe stellte und ankündigte, dass an der Stelle des zerstörten Jahweheiligtums ein Jupitertempel gebaut würde. Daraufhin erhoben sich die Juden unter der Führung von Bar Kochba und Akiba ben Josef, einem der einflussreichsten Rabbis seiner Zeit (er betrachtete Simon Bar Kochba als den Erlöser und gab ihm den Namen „Sternensohn"), gegen die Römer. Somit begann der 2. jüdische Krieg.

Bar Kochba hob ein großes jüdisches Heer aus, besiegte die Römer und eroberte Jerusalem sowie zahlreiche weitere Städte und Dörfer. Nach der Einnahme Jerusalems wurde Bar Kochba von den Juden zum Messias ausgerufen. Er regierte in Judäa streng nach dem jüdischen Gesetz, der Tora. Unterdessen sammelte Rom eine große Streitkraft unter dein Kommando des fähigsten Feldherrn seiner Zeit, Julius Severus, den Kaiser Hadrian zu diesem Zwecke aus Britannien abberufen hatte. Nach langen und bitteren Kämpfen eroberten die Römer im Jahre 134 n. Chr. Jerusalem zurück und zerstörten die Stadt.

Bar Kochba zog sich in die Bergfeste Betar, ca. 10 km südwestlich von Jerusalem, zurück. Dort leistete er heldenhaften Widerstand, bis die Stadt im August 135 durch Verrat in die Hände der Römer fiel. Dies geschah nach jüdischer Überlieferung am neunten Tage des Monates Aw, am Tage der Zerstörung des ersten und zweiten Tempels. Bar Kochba fiel in der Schlacht. Die Verteidiger wurden allesamt niedergemetzelt, und lange Zeit verboten die Römer, die Toten zu begraben. Das Unheil und die Verwüstung waren unermesslich. In den Kämpfen sollen eine halbe Million Juden gefallen sein. Zudem verhungerten noch viele und zahlreiche kamen durch Krankheiten um.

Von den Überlebenden wurden so viele in die Sklaverei verkauft, dass der Preis fiel und ein jüdischer Sklave nicht mehr wert war als ein Pferd. Das Land war verwüstet und die jüdischen Siedlungen waren größtenteils zerstört. Die Mauern der Festung Betars, deren Reste heute noch zu sehen sind, wurden niedergerissen, um das letzte Symbol des jüdischen Freiheitskampfes auszutilgen. Nach dem Falle Betars dauerte der Widerstand noch in den Bergen und Höhlen am Toten Meer, südlich von Engedi, fort. In den Höhlen, die die Römer nicht einnehmen konnten, hungerten sie die Verteidiger aus.

Beweise dieser grausamen Taktik sind bei den in letzter Zeit unternommenen Erforschungen dieser Höhlen zutage gekommen. Aber nicht nur die Verluste der Juden waren groß, sondern auch die der Römer. Die Verluste waren so schwer, daß es Kaiser Hadrian ratsam fand, in seinem Siegesbericht an den Senat in Rom die übliche Eingangsformel: „Ich und die Armee befinden uns wohl" auszulassen. Die Römer tilgten den Begriff .,Judäa", die Provinz hieß ab sofort „Syria Palaestina". Hadrian verbot den Juden den Zutritt nach Jerusalem und besiedelte die Stadt als römische Kolonie. Die Auseinandersetzungen mit den Römern beenden für nahezu 200 .Jahre die Existenz der jüdischen Nation auf eigenem Boden.

verfasst von: Susanne Hanns


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Massada