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Die Stiftshütte

Die Stiftshütte ( auch das "Zelt der Begegnung" genannt) wurde nach der Befreiung der ägyptischen Sklaverei von den Israeliten zuerst auf dem Berg Sinai aufgestellt.
Konstruktion:
Die Stiftshütte war nach außen hin durch Vorhänge abgegrenzt, die über ein Rahmenwerk aus Akazienholz gelegt wurden. Es war 46 Meter lang, 23 Meter breit und 2,3 Meter hoch. Die Hütte selbst war ein großes Zelt, das 13,7 x 4,6 Meter maß. Dieses "Gotteszelt" war als transportables Bauwerk für das Volk Israels auf dem Weg durch die Wüste sehr praktisch:
Es bestand aus dem äußeren Raum, welchen nur Priester betreten durften und einem inneren Raum, dem Allerheiligsten, das nur einmal im Jahr der Hohepriester betreten durfte.
Darin stand die Bundeslade, in welcher die Gesetzestafeln und andere wertvolle Dinge aufgehoben wurden. Draußen im Innenhof stand der Altar, auf dem Ziegen, Lämmer und andere Tiere als Opfer verbrannt wurden, außerdem ein Waschbecken für die Priester.
Die Stiftshütte war der Ort, wo das Volk die Gegenwart Gottes erlebte.

Salomos Tempel

König Salomo brauchte sieben Jahre, um den ersten Tempel in Jerusalem zu bauen. Architektonisches Vorbild war die Stiftshütte, nur dass der Tempel doppelt so groß war wie sie.
Salomo setzte 80 000 Steinmetze ein, 70 000 Träger transportierten die Steine für den Tempel. Der Tempel wurde mit Zedernholz getäfelt. Phönizische Künstler schnitzten Blumen und Palmen in die Tafeln, ehe diese mit Goldblech überzogen wurden.
Außerhalb des Tempels stand ein Bronzealtar und ein großes Bronzebecken für rituelle Waschungen, gestützt von 12 bronzenen Stieren, von denen je drei in eine Himmelsrichtung schauen.
Salomos Tempel wurde oft von Missbrauch, Plünderung und Zerstörung heimgesucht. König Schischak raubte, zur Regierungszeit von Salomos Sohnes, Teile des Tempelschatzes. Im Jahr 587 v. Chr. wurde der Tempel unter König Nebukadnezar von Assyrien ausgeraubt und zerstört.
In der Zeit des Exils verschwand die Bundeslade und ward nie wieder gefunden. Große Teile der Bevölkerung wurden deportiert und es begann die Babylonische Gefangenschaft der Juden. Jahre danach erobert der Perserkönig Kyros das Babylonische Reich. Kyros gestattete den Juden die Rückkehr nach Palästina und den Bau eines Zweiten Tempels.
Nehemia (ein am persischen Hof zu hohem Staatsämtern gelangter Jude) und Esra gaben die entsprechenden Impulse zum Bau. Damit fand 515 v.Chr. die Einweihung des Zweiten Tempels statt.

Der Tempel des Herodes

Herodes der Große ließ in seiner Regierungszeit dieses recht bescheidene Bauwerk abtragen und errichtete einen völlig neuen Tempel.
Der Herodianische Tempel war der größte und prächtigste Tempel, den die Juden je besaßen. Herodes baute ihn nicht zur Ehre Gottes, sondern um die Gunst der Juden zu gewinnen.
Dieser Tempel war Herodes' größtes Bauwerk, es nahm ca. 15 Prozent der Gesamtfläche von Jerusalem ein. Ein jüdisch-römischer Historiker, Flavius Josephus, beschreibt den Tempel wie folgt: " Die Front des Gebäudes war gleich hoch und breit, nämlich 100 Ellen, das Hintergebäude aber um 40 Ellen schmäler, da der Vorderbau rechts und links flügelförmig 20 Ellen weit über dasselbe hinausragte. Das vordere Tor des Heiligtums, 70 Ellen hoch und 20 Ellen breit, hatte keine Türen, denn es sollte ein Sinnbild des unabsehbaren, offenen Himmels sein. Seine Vorderseite war überall vergoldet, und wenn man hindurchsah, hatte man den vollen Anblick des eigentlichen Tempelhauses, welches zugleich das höchste Bauwerk des Tempels war..."

Rekonstruktion - des Zweiten Tempels. Er galt als Zentralheiligtum. Hier wurde die Bundeslade aufbewahrt.


Der Bau des Tempels:
Herodes startete in Jerusalem ein großes Bauprogramm. Auf der Berghöhe, wo die Stadt sich ausbreitete, wurde eine Fläche von 15 Hektar mit einer umlaufenden Mauer eingefasst. Hohlräume wurden mit Schutt aufgefüllt oder zu unterirdischen Lagerräumen oder Stallungen ausgebaut.
Er begann mit dem Tempelbau um 19 v. Chr. und beendete das Heiligtum 12 v. Chr. Der Gesamtbau wurde erst 64 n. Chr. fertiggestellt.
An der Ostseite des Tempels gab es eine Reihe von Vorhöfen für verschiedene Aufgaben. Der Tempel selbst war von einer 1,5 Meter hohen Mauer umgeben. Außer Juden durften bei Androhung der Todesstrafe niemand diese Mauer passieren. Einen entsprechenden Hinweis fand man 1871 in Jerusalem in einem Kalkstein eingeritzt, es lautet:
Kein Fremder darf den Bereich innerhalb der Brüstung um den Tempel betreten. Wer erfasst wird, ist für seinen Tod selbst verantwortlich.
Innerhalb der Trennmauer führten 12 Stufen zu einer 3 Meter höher gelegenen Fläche, wo das Frauentor und das Tor der Reinen und Gerechten den Zugang zum gepflasterten Hof des Gebetes bildeten.
Am Ende dieses Vorhofs wurden auf einem halbrunden Podest Opfer und Gaben abgelegt, die Gott dargebracht werden sollten. Dahinter lag der Hof der Priester mit seinem großen Altar und dem Bronzebecken für die rituelle Waschungen.

Tempelrituale
Die Hauptfigur im Opferkult war der Hohepriester. Er trug die symbolischen Gewänder und das Brustschild mit seinen 12 kostbaren Steinen: in jedem war der Name eines der 12 Stämme Israels eingraviert.
Die Hauptaufgabe war es, die täglichen Tieropfer darzubringen. Nur der Hohepriester durfte einmal im Jahr am Versöhnungstag " Jom Kippur" das Allerheiligste betreten.
Er besprengte die Bundeslade, den Gnadenthron Gottes, mit dem Blut von 2 Opfertieren. Somit begegnete Gott symbolisch seinem Volk.
In alttestamentlicher Zeit gab es fünf Opfergaben:
1. Das Brandopfer: Ein Stier (für die Armen eine Taube) wurde in einer gottesdienstlichen Handlung geopfert.
2. Speiseopfer: Gebackenes Brot als Dank für Gottes Fürsorge.
3. Dankopfer: Ein makelloses Tier wurde als Danksagung geopfert.
4. Sündopfer: Ein Stier oder Bock wurde zur Vergebung der Sünden geopfert.
5. Schuldopfer: Ein Bock oder ein Lamm wurde zur Sühnung für begangene Sünden geopfert.
Bei diesen Tempelritualen spielte auch der Opferaltar eine große Rolle. Es stand im Vorhof der Priester und auf ihm wurden die Tiere für das Opfer vorbereitet.

Ansicht des Tempels - Erhalten ist heute nur ein Rest der Umfassungsmauer des Tempelbezirks, die berühmte Klagemauer.


Zerstörung des Herodianischen Tempels
Im Jahr 66 n. Chr. erhoben sich die Juden gegen die römische Besatzung.
Dabei wurde der Tempel zum Zentrum ihres Widerstandes.
Schon im Jahre 70 n. Chr. war ganz Jerusalem in der Hand der Römer.
Da der Tempel als eines der Wunderwerke der antiken Welt galt, zögerten die Römer erst ihn zu zerstören, machten es dann aber doch.
Bevor das Gebäude verbrannte, raubten die Römer noch viele Gegenstände von unschätzbarem Wert.
Seit der Zerstörung des Tempels ist die Westseite der Mauer, die Herodes als Abgrenzung bauen ließ, das wichtigste Heiligtum der jüdischen Welt.
Sie wird auch als " Klagemauer" bezeichnet.
Viele Juden beten hier täglich in ihrem traditionellen Gewändern.
Außerdem beklagen sie dort den Verlust ihres Tempels.

verfasst von Romana Groß


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